BIPP



Forum Psychoanalytische Wissenschaft


Das 2008 entstandene Forum psychoanalytische Wissenschaft hat sich zum Ziel gesetzt, aus der klinischen-therapeutischen Arbeit hervorgegangene Konzepte und Erfahrungen mit psychoanalytisch orientierten Forschungsansätzen im Bereich der Kultur- und Sozialwissenschaften zusammenzuführen. Deshalb arbeiten in diesem Forum vorwiegend klinisch tätige Psychoanalytiker mit forschenden Sozial- und Kulturwissenschaftlern, die sich psychoanalytischen Ansätzen verpflichtet fühlen zusammen. Im Einzelnen besteht die Arbeit des Forums vor allem darin, Vortragsveranstaltungen und Symposien zu organisieren und Publikationen herauszugeben, in denen es insbesondere um die Vermittlung zwischen den klinisch-therapeutischen und den kultur- sowie sozialwissenschaftlichen Feldern psychoanalytischen Arbeitens und Forschens geht.


Dabei wird das Forum psychoanalytische Wissenschaft durch einen wissenschaftlichen Beirat unterstützt, in dem unter anderen Dr. Viola Altrichter (Kultursoziologin), Dr. phil., M.A. Irene Berkel (Religionswissenschaftlerin, Universität Wien, Universität Innsbruck), Prof. Ph. D. John Bornemann (Anthropologe, Princeton University, NJ, USA), Prof. Dr. Eva Cancik-Kirschbaum (Professorin am Institut für Orientalistik, Freie Universität Berlin), PD. Dr. phil. Mario Erdheim (Psychoanalytiker und Ethnologe, Zürich), Prof. Dr. Andreas Heinz (Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Charité, Berlin), Dr. Josef Ludin (Psychoanalytiker und Nervenarzt), Prof. Dr. Christoph Türcke (Professor für Philosophie, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig), Prof. Dr. Thomas Macho (Professor für Kulturgeschichte, Humboldt-Universität Berlin) mitarbeit.

Christoph Türcke, Thomas Macho, Wilhelm Brüggen, Volker Riegels, Irene Berkel, Josef Ludin, Mario Erdheim


Vorlesungsreihe 2018/2019
Das Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität Berlin und das Berliner Institut für Psychotherapie und Psychoanalyse (BIPP) veranstalten gemeinsam mit dem ICI Berlin Institute for Cultural Inquiry eine Vorlesungsreihe.
Das Ziel der Vortrags- und Diskussionsreihe soll sein, die Rezeption der Psychoanalyse in den Kulturtheorien zu untersuchen, und psychoanalytisches Verstehen auf aktuelle kulturelle Phänomene anzuwenden. Dabei geht es nicht um die Fortführung heißgelaufener akademischer Diskussionen, sondern um eine offene und schulenübergreifende Sicht auf heute aktuelle Tendenzen. Die zentralen psychoanalytischen Konzepte Freuds und seiner Nachfolger sollen aufgegriffen werden, um sie auf die kulturellen, politischen, ökonomischen Phänomene unserer Zeit anzuwenden. Wo die frühe Psychoanalyse sich mit der Familie und der viktorianisch-bürgerlichen Zivilisation auseinandersetzte, sind es heute extreme Formen von Individualisierung, soziale Verunsicherungen und neue Kulturtechniken, die ins Blickfeld geraten. Während also an bestimmten Kernkonzepten der Psychoanalyse festgehalten wird, sollen möglichst neue, kritische und innovative Lesarten der Psychoanalyse aufgegriffen und mit anderen geisteswissenschaftlichen und kulturkritischen Konzepten in Beziehung gesetzt werden.

Im nächsten halben Jahr wird es folgende Vorträge geben:

  • Dienstag, 23. Oktober 2018 um 20:00 Uhr | Dr. Udo Hock: »Die Entstellung – ein Grundbegriff der Psychoanalyse«
  • Dienstag, 27. November 2018 um 20:00 Uhr | Dr. Samo Tomšič: »The Swarming of Semblances, or the ›Ontological Scandal‹ of Language in Lacan«
  • Dienstag, 29. Januar 2019 um 20:00 Uhr | Prof. Dr. Christoph Türcke: »Die Illusion des Postheorismus«
  • Dienstag, 26. Februar 2019 um 20:00 Uhr | Dr. Jule Govrin: »Die leise Arbeit des Todestriebs. Eine kleine Theoriegeschichte des Begehrens von 1968 bis zur Queer Theory«
  • Dienstag, 23. April 2019 um 20:00 Uhr | Dr. Marie Kolkenbrock: »Dr Freud meets Dr Schnitzler: A Case Study of the Ambivalent Intersections of Psychoanalysis and Literature«
  • Dienstag, 14. Mai 2019 um 20:00 Uhr | Dr. Laurence Rickels: »Critique of Fantasy: Between a Crypt and a Date Mark«


Die Veranstaltungen finden jeweils dienstags um 20:00 Uhr in den Räumen des ICI Berlin, Christinenstraße 18-19, Haus 8, 10119 Berlin statt.



Vorlesungsreihe 2017
„Flucht und Verdrängung“

Eine Anthropologie, die davon ausgeht, dass Menschen sesshaft sein wollen, und eine Identitätspolitik, die die Frage, wer wir sind, mit der verknüpft, woher wir kommen, müssen gegenwärtige und vergangene Migrationsbewegungen als Phänomene wahrnehmen, die verbunden sind mit Mangel und Konflikt, Gefährdung und Gefahr. Um hier genauer zu differenzieren, sieht sich die psychoanalytische Kulturwissenschaft vor die Aufgabe gestellt, die unbewussten Aspekte gegenwärtiger (politischer und individueller) Fremdheitserfahrungen und ihre historische Genealogie nachzuzeichnen. So kann sie zu einem erweiterten Verständnis dessen beitragen, was Flucht und Verdrängung heute bedeuten können und welche Dynamiken sie entfalten.
Veranstaltet in Kooperation zwischen dem Berliner Institut für Psychotherapie und Psychoanalyse e.V. (BIPP) und dem Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin
Rüdiger Eschmann: „Rechtspopulismus - Zur Psychoanalyse des Postfaktischen“

  • Inga Anderson: „Trauernde Gemeinschaften?“
  • Alain Vanier: „Zur Aktualität der Gewalt“
  • Monika Englisch & Sanja Hodzic: „Der Körper als Vermittler unbewusster Botschaften im transkulturellen Dialog“
  • Thomas Macho: „Niemandsland, Todesstreifen, Träneninsel: Zur Entstehungsgeschichte der Nicht-Orte zwischen den Grenzen“
  • Liliana Ruth Feierstein: „‚Freud und Marx: wir verzichten auf keinen von beiden!’ Deutschsprachige Psychoanalytiker im lateinamerikanischen Exil“
  • Susanne Lüdemann: „Wessen Krise? Flucht, Verdrängung und das ‚nationale Ding’“


Arbeitstagung 2016:
„Fallgeschichten, Narrationen, Stundenprotokolle als psychoanalytische Erkenntnisformen“

  • Iris Därmann: "flying back"
  • Christoph Braun: "Die psychoanalytische Fallgeschichte als Sprachspiel"
  • Wilhelm Brüggen: "Die Freudschen Fallgeschichten – Mythos oder Novelle?"
  • Barbara Heindl: "Parzival als Fallgeschichte"
  • Andreas Gehrlach: "Das clinamen und das Subjekt – Louis Althussers Fallgeschichte und Spätwerk als ein gleichzeitiger Beitrag zu einem modernen Epikureismus und zur Psychoanalyse"
  • Josef Ludin: "Braucht die Psychoanalyse einen Gründungsmythos?"
  • Bernd Heimerl: "Das Stundenprotokoll im Blick der Rezeptionsästhetik"
  • Inga Schaub: "Fallgeschichten in der Literatur"
  • Thomas Macho: "Epistemologie der Fallgeschichte"



Arbeitstagung 2015:
„Die Freud’sche Psychoanalyse des Mythos“

Folgende Impulsreferate dienten als Grundlage zur Diskussion:

  • Wilhelm Brüggen: "Die Freud‘sche Theorie des Mythos"
  • Irene Berkel: "Mythos des Narziss und seine Interpretation in der Psychoanalyse"
  • Josef Ludin: "Freuds Begriff der 'historischen Wahrheit'"
  • Barbara Heindl: "Binjamin Wilkomirskis Autobiographie zwischen Individualmythos und kollektivem Gedächtnis"
  • Viola Altrichter: "Von der Seele zur Psyche. Seelenkonzepte im interkulturellen Vergleich"
  • Rüdiger Eschmann: "Erlösung durch Zerstörung – Der Mythos der Apokalypse und das Unbewusste"
  • Thomas Macho: "Dalí, Hitchcock und "Spellbound". Zur filmischen Mythographie der Psychoanalyse. Filmvortrag mit Diskussion"
  • Christoph Türcke: "Freuds Mythos der Sohnesreligion"
  • Andreas Gehrlach: "Der Diebstahl statt der Mosestötung als Ursprungsverbrechen im Alten Testament."
  • Christoph Braun: "Der Individualmythos des Neurotikers nach Jacques Lacan"
  • Bernd Heimerl: "René Girards Mythos der Gründungsgewalt: Ist es möglich, dass die Herausbildung der Kultur auf Mord gründet?"

Leitung: Wilhelm Brüggen und Kollegen



Symposium 2012:
"Psychoanalyse der Institution - Institutionen der Psychoanalyse"

  • Christoph Türcke: "Zur Genealogie der Institution"
    Institutionen sind geronnene Rituale; Rituale sind geronnener Wiederholungszwang.
  • Wilhelm Brüggen: "Psychoanalyse zwischen radikalisierter Aufklärung und Schrecken
    der Freiheit?" Der Mensch als institutionenbedürftiges "Mängelwesen" (Gehlen) oder als freiheitsfähiges "animal symbolicum" (Cassirer).
  • Irene Berkel: "Die unauflösliche und unaufhebbare Dimension der Institution" Anmerkungen zu Übertragungsbeziehungen in (Aus-) Bildungsinstitutionen.
  • Josef Ludin: "Zum Verhältnis zwischen Institutions- und Ideologiebildung in der Psychoanalyse"
  • Mario Erdheim: "Die Gesetze der Gabe und die Entwicklung des Subjekts"
  • Thomas Macho: "Selbstschöpfung: Zur Theorie der Institution nach Cornelius Castoriadis"


Symposium 2009:
"Die Modernisierung des psychischen Apparats"

  • Klaus J. Lindstedt: Versuch über die Entstehung des psychischen Apparats in der Evolution der Hominiden
  • Thomas Macho: Filmrisse - Zur Geschichte des Vergessens
  • Mario Erdheim: Der Beitrag der Adoleszenz zur Modernisierung des psychischen Apparats.
  • Josef Ludin: Warum ist die Psychoanalyse eine Kulturarbeit? Psychoanalyse zwischen Universalität und Partikularität
  • Alf Gerlach: "Ich kann es mir nicht, leisten traurig zu sein" - Psychoanalytische Betrachtungen zur Umwälzung der chinesischen Gesellschaft
  • Wilhelm Brüggen: Über "traurige Flaneure", "glückliche Wilde" und die "geheimen Verführungen der Moderne"

Aktuelles unter: Öffentliche Veranstaltungen.



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Publikationen im Forum Psychoanalytische Wissenschaft:


C. Braun, W. Brüggen, A. Gehrlach (Hrsg.) 2017: Psychoanalytische Narrationen"


C. Braun, W. Brüggen, A. Gehrlach (Hrsg.) 2016: "Dialektik des Mythos"


C. Braun, W. Brüggen (Hrsg.) 2013: "Psychoanalyse der Institutioen - Institutionen der Psychoanalyse"







W. Brüggen, K.-J. Lindstedt, G. Schneider (Hrsg.) 2009: "Die Modernisierung des psychischen Apparats", Brandes & Apsel