BIPP



Abstracts


Die Abstracts zu den curriculär angebotenen Seminaren sind alphabetisch nach Dozentennachnamen sortiert.
Neben den Abstracts gibt es auch zu den meisten Seminaren ausführliche Vorlesungsskripte, die im Kandidaten-/ Mitgliederbereich eingesehen und heruntergeladen werden können. Mitglieder und Kandidaten des BIPP können die Zugangsdaten im Sekretariat des BIPP anfragen.




Abstracts alphabetisch nach Dozentennamen A-F und DPG-Institut am BIPP



A


Abl, Gerald:
[FK] Suizidalität - aus der Perspektive klassischer und neuerer Theorien
Die verschiedenen Positionen zur Frage der Selbsttötung lösten seit jeher heftige Diskussionen aus. Immerhin berührt diese Frage unsere grundlegendsten Bedürfnisse und Ängste in existenzieller Weise.
Nach einem Überblick über verschiedene Zusammenhänge und Anlässe sollen wesentliche theoretische Ansätze zum Verständnis der Suizidalität in ihrer Unterschiedlichkeit und berechtigten Bedeutung dargestellt werden. Dabei wird ausgehend von klassischen psychoanalytischen Erklärungen ein Überblick vermittelt, der über das Konzept des präsuizidalen Syndroms und einer Urverunsicherung bis zur besonderen Relevanz der Objektbeziehung reicht. Konkrete Problemstellungen aus der therapeutischen Praxis leiten schließlich über in die Besprechung verschiedener kritischer Behandlungssituationen.
Literatur:
HENSELER, HEINZ (2000): Narzisstische Krisen. Zur Psychodynamik des Selbstmordes. 4., aktualisierte Aufl., Westdeutscher Verlag, Wiesbaden.
KIND, JÜRGEN (2005): Suizidal. Die Psychoökonomie einer Suche. 4. Aufl., Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen.
RINGEL, ERWIN (2008): Der Selbstmord. Abschluss einer krankhaften psychischen Entwicklung. Eine Untersuchung an 745 geretteten Selbstmördern. 10., unveränd. Aufl., Klotz, Eschborn bei Frankfurt am Main.

Albertini, Valentina; Heußer, Angelika:
[FK] Stoffgebundene und nichtstoffgebundene Abhängigkeitserkrankungen I
Die Veranstaltung ist die ersten von drei Veranstaltungen innerhalb der nächsten Semester in Folge, die auch unabhängig voneinander besucht werden können. In dieser Veranstaltung befassen wir uns sowohl mit Drogen-, Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, den sog. stoffgebundenen Suchterkrankungen, wie mit dem pathologischen Glücksspiel und der Internetabhängigkeit als Beispiele nicht stoffgebundener Abhängigkeiten. Nach diagnostischer Ausdifferenzierung von Missbrauch und Abhängigkeit allgemein sowie der spezifischen Wirkweise einzelner Drogen bzw. von Kombinationen (auch mit Alkohol) oder suchtartiger Verhaltensweisen (Glücksspiel, Internetabhängigkeit) wird es um Herausforderungen im Behandlungskontext gehen. Gibt es Hinweise auf eine Suchterkrankung und wenn ja welche (Diagnostik)? Welche Behandlung ist unter diesen Gesichtspunkten möglich und nötig? Wie ist die Motivation des Patienten? Wie sollte mit dem Konsum von Substanzen oder Ausübungen von Verhaltenssüchten unter der Behandlung umgegangen werden? Umgang mit Rückfällen bei Abstinenzvereinbarungen. Ab wann ist eine ambulante Behandlung nicht mehr möglich? Was gilt es im Übertragungsgeschehen zu beachten? Gerne können auch eigene Beispiele aus laufenden Behandlungen eingebracht werden.

Altrichter, Viola:
HARRY POTTER : ALLMACHTSPHANTASIEN UND DIE FLUCHT IN DIE MAGIE IN EINER ZEIT WACHSENDER OHNMACHT
Der Boom, den dieser Mythos über seine Literarisierung, Verfilmung und weitere Kommerzialisierung gefunden hat, war – wie hinlänglich bekannt-, überwältigend.
Worin besteht in unserem "aufgeklärten" Jahrhundert die Begeisterung für Kultur-Phänome wie Potter, "Star Wars" oder " Herr der Ringe" und wie sind sie zu erklären? Dafür müssen wir uns mittels Mythen- und Symbolanalyse möglichen Antworten nähern, denn in ihnen spiegelt sich die Entstehungsgeschichte der menschlichen Psyche wie des Bewußtseins wider.
Außerdem bietet gerade die Harry Potter Geschichte eine inhärente Darstellung autoritärer, ja faschistischer Strukturen und leitet an, sich diesen mit Klugheit, Solidarität und Alltagsstrategien zu widersetzen - Fragestellungen von hoher Aktualität.


B


Baldanza, Mirella:
[EK2] Einführung in die kleinianische Entwicklungstheorie
Nach einem kurzen historischen Überblick sollen in der Einführung der kleinianischen Entwicklungstheorie, Teil I, einige zentrale Konzepte, vor allem die Annahme von „inneren Objekten“, „ubw Phantasien“ sowie das Konzept der „projektiven Identifizierung“ dargestellt werden. Anhand von klinischen Fallvignetten möchte ich jeweils die theoretischen Annahmen verdeutlichen und mit den Teilnehmern diskutieren. Am zweiten Abend in Teil II wird es um die beiden kleinianischen Grundpositionen, paranoid-schizoide Postiion und depressive Position gehen analog zu den freudschen Entwicklungsphasen. Wieder sollen die theoretischen Annahmen durch klinische Fallvignetten verdeutlicht und diskutiert werden.
Hanna Segal: Melanie Klein – Eine Einführung in ihr Werk. Ed.Diskord
Claudia Frank/Heinz Weiß (Hrsg.) Kleinianische Theorie in klinischer Praxis
Schriften von Elizabeth Bott Spillius, Klett Cotta Verlag (2002)
Rosemarie Kennel/Gertrud Reerink (Hg.) Klein, Bion – Eine Einführung, Ed.Diskord (2002)

Baldanza, Mirella:
[FK] Behandlungstechnische Relevanz der beiden Grundpositionenen paranoid-schizoide und depressive Position.
Abstract folgt
Balz, Monika:
[EK1+PsGV] Anamnesenerhebung. Praxisseminar – modellhafte Erstellung eines Berichts
In diesem Seminar wird speziell auf (in Anamnesesupervisionen) häufig beobachtete Schwierigkeiten bei der Anamnesenerhebung- und Psychodynamikerkennung eingegangen. Außerdem geht es um die weitere Einübung und Handhabung des BIPP-Anamnese-Schemas.
Beim zweiten Termin wird speziell auf (in Anamnese–Supervisionen) häufig beobachtete Schwierigkeiten bei der Anamnesenerhebung und Psychodynamikerkennung eingegangen. Außerdem geht es um die weitere Einübung und Handhabung des BIPP-Anamnese-Schemas.
Balz, Monika:
[EK2] Behandlungstechnik: Umgang mit Schamkonflikten
Scham erfasst das ganze Selbst. (Wurmser 2007) Sie kann blitzartig den ganzen Körper überfluten, und ruft sichtbare vegetative Reaktionen hervor (wie Erröten, Erblassen, Erstarren) welche dann wiederum zu Scham führen. In jeder mitmenschlichen Beziehung besteht die Gefahr der beschämenden Bloßstellung. Aber ganz besonders wird diese Gefahr gespürt in der Psychoanalytischen Behandlungsstunde, in der man unzensiert alles sagen soll was einem einfällt. Verstärkt wird die Situation noch dadurch, dass der Analytiker sich selbst nicht zeigt, und man noch nicht einmal seine Reaktion durch Beobachtung der Mimik kontrollieren kann. Es gibt kaum eine psychoanalytische Sitzung, in der Scham nicht auftaucht. Oft nur wird das nicht bemerkt, denn das Erleben und Aussprechen von Schamgefühlen ist bereits ebenfalls schamhaft besetzt. Scham wird manchmal abgewehrt durch verschiedene Mechanismen, welche dann das gesamte Übertragungsgeschehen einfärben können, beispielsweise durch: emotionale Kälte, Intellektualisierung, hochmütige Distanziertheit, subtile (bis grobe) Verachtung anderer... Hier wird die Beschämung und Verachtung die der Pat fürchtet, aktiv auf den Analytiker, und - oder auf dritte - umgelenkt. Dies kann manchmal dazu führen, dass sich dann der Analytiker in der Gegenübertragung vom Patienten beschämt fühlt. Eine Abwehrformen der Scham kann sich auch verbergen hinter vorwegnehmender Selbsterniedrigung: Hier wird versucht, dem befürchteten Angriff vorher zu kommen, und somit den Prozess zu kontrollieren. In der Vorlesung wird eingegangen auf Auslöser für Scham, auf den bedeutsamen Unterschied zwischen Scham – und Schuldgefühlen, welche manchmal gegensätzlich im Konflikt zueinander stehen können, sowie auf die Entstehung der Scham in der Genese. Anhand von Fall- Beispielen wird beschrieben, dass man durch Beschämung und Verachtung wirksamer Unterwerfung unter Normen erzwingen kann, als durch Bestrafung). Die Urangst der Scham ist die Angst, vom Liebesobjekt, oder der ganzen menschlichen Gemeinschaft nicht mehr als (achtens – und liebens-) würdiges menschliches Wesen angesehen, und deshalb verspottet, verlassen und ausgeschlossen zu werden. Für einen Patienten, der in seiner Genese für das Zeigen von authentischen Gefühlen und Wünschen sehr beschämt wurde, müssen das analytische Setting und das freie Assoziieren also sehr ängstigend sein. Die Analysestunde stellt jedoch auch eine exhibitionistische Versuchungssituation dar, da in ihr der Wunsch des Patienten, in seiner Authentizität gesehen, angenommen und bewundert zu werden, wecken kann. Diese erweckten exhibitionistischen Wünsche jedoch können dann wiederum Angst vor Kontrollverlust führen, und somit die Beschämungsangst verstärken.
Ziel der Vorlesung ist es, ein Verständnis für diese Schamkonflikt- Mechanismen zu vermitteln. Dieses soll dann dazu beitragen in den eigenen Behandlungen ihre Auswirkungen auf die Übertragung – und Gegenübertragung zu erkennen. Es werden hierzu Beispiele aus eigener Praxis vorgestellt. Beispiele aus dem Zuhörerkreis sind willkommen!
Literatur: Wurmser , L - Die Maske der Scham (Springer Verlag Dietmar Klotz 2007)

Begrüßungsveranstaltung für alle AusbildungskandidatInnen im BIPP zur Einstimmung in das neue Semester
Einführung in die Psychoanalyse: I am not your negro (US 2016, 90 min)
Der Dokumentarfilm von R. Peck erzählt auf der Grundlage des Textes von James Baldwin "Remember this House" die Geschichte der Repräsentation von Afro-Amerikanern in der US-Kulturgeschichte und der Bürgerrechtsbewegung. In einer Erweiterung des literarischen Textes spannt der Film den Bogen bis in die Jetztzeit: in der er dem weißen Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft bis in die Gegenwart nachspürt. Die eigentliche Frage, die sich Baldwin stellt und der im Dokumentarfilm erzählt wird ist: "Was passiert mit diesem Land?“.
Wir, die Film AG am BIPP, haben aufgrund der aktuellen beängstigenden Ereignissen im gemeinsamen Zusammenleben in Deutschland und den zunehmend menschenverachtenden Äußerungen im öffentlichen Diskurs beschlossen einen Dokumentarfilm über die historisch-kulturelle Dimension des Rassimus zu zeigen.
Der Begrüßungsfilm ist ein kleiner Beitrag zu der Frage "Was passiert mit diesem Land?"
Gertrud Citron, Carola Erhard, Bernd Heimerl und Angeles Llorca (Film AG am BIPP)

Born, Alexandra:
[EK2] Intersubjektivität in der Psychoanalyse
Entstanden in Reflexion der klassischen und objektbeziehungstheoretischen Ansätze der PA, die v.a. die intrapsychische Dimension menschlicher Entwicklung untersuchten (der Andere erlangt primär als Objekt oder Objektrepräsentanz Bedeutung) und anknüpfend an die Selbstpsychologie fokussieren die intersubjektiven und relationalen Ansätze der PA die interpersonale Dimension: die wechselseitigen Beeinflussungsvorgänge zweier oder mehrerer Subjekte und deren Auswirkungen auf die psychische Entwicklung.
Von besonderer Bedeutung ist nach Benjamin die Aufrechterhaltung des Spannungsbogens zwischen wechsel-seitiger Selbstbehauptung und Anerkennung. Pathologische Prozesse sind letztlich auf mangelnde Empathie, auf fehlende angemessene Beantwortung von Selbstobjektbedürfnissen zurückzuführen.
Auch die analytische Situation stellt eine interpersonelle Wirklichkeit dar, in die Patient und Therapeut gleichermaßen subjektiv involviert sind und in der sich Übertragung entfaltet. Der Therapeut ist durch die intersubjektive/relationale Sichtweise im therapeutischen Prozess anders gefordert. Mitchell beschreibt seinen Ansatz z.B. als „selbstreflexive Empfänglichkeit“
Literatur
Kunzke, J. (2011): Grundmerkmale interpersonaler, intersubjektiver und relationaler Ansätze in der Psychoanalyse. Psyche – Z Psychoanal 65, 2011, 577-616. (Als Einführung)
Altmeyer, M., Thomä, H. (Hg.) (2006): Die vernetzte Seele.
Benjamin, J. (1990): Die Fesseln der Liebe. Stroemfeld/Roter Stern
Orange, D., Atwood, G., Storolow, R. (2001): Intersubjektivität in der Psychoanalyse.

Born, Alexandra; Citron, Gertrud; Heußer, Angelika:
[EK1] Studieneinführung: Die Struktur und der Ausbildungsrahmen des BIPP und des DPG-Instituts am BIPP
Diese Einführungsveranstaltung möchte den Rahmen bieten, auftauchende Fragen hinsichtlich der Struktur, der Ausbildungsabläufe, verschiedener Aus- und Weiterbildungsgänge und Prüfungsbedingungen offen auszutauschen, da erfahrungsgemäß diese erst konkret werden, wenn die Aus- und Weiterbildung von Kandidaten begonnen wurde.

Braun, Christoph:
[FK] Wirkfaktoren in der Psychotherapie und Psychoanalyse
In dieser Veranstaltung geht es um die Wirkung von tiefenpsychologisch fundierter und analytischer Psychotherapie. Leitend sind die Fragen, was genau in einer Therapie wirkt, und wie dadurch heilsame Veränderungen erreicht werden können. Nach einem kurzen Überblick über einige Ergebnisse der aktuellen Psychotherapieforschung werden die wichtigsten „Wirkfaktoren“ im einzelnen vorgestellt, und zwar so wie sie sich aus der psychoanalytischen Veränderungstheorie erschließen lassen, in der klinisch-praktischen Erfahrung bewährt haben und mittlerweile empirisch abgesichert sind. Konkrete Interventionsmöglichkeiten werden anhand klinischer Beispiele veranschaulicht.

Brenner, Kristina; Born, Alexandra
[FK] Geschichte der Psychoanalyse
Abstract folgt

Brüggen, Wilhelm
[FK] Der Ödipuskomplex von Freud über Loewald, Lacan bis Ogden
In dieser Vorlesung möchte ich der Frage nachgehen, was uns das Freudsche Konzept des Ödipuskomplexes heute noch zu sagen hat. Deshalb werde ich mit einer kurzen Zusammenfassung der Freudschen Vorgaben beginnen, um anschließend die Kleinsche, Loewaldsche und Lacansche Reinterpretation dieser Ideen zusammen zu fassen. Anschließend soll anhand aktueller Entwicklungspsychologischer Befunde über die heuristische und hermeneutische Brauchbarkeit all dieser Ideen diskutiert werden.
Literatur
Freud, S. (1924): Der Untergang des Ödipuskomplexes. GW XIII, S. 393-402 | Brüggen, W. (2005): Ödipuskomplex - Kernkomplex der Neurosen? Über die entwicklungs- und kognitionspsychologische Wiederkehr eines verdrängten Konzeptes. In: Wellendorf, F., Werner, H. (Hg.) (2005). Das Ende des Ödipus. Entwertung und Idealisierung ödipaler Konzepte in der Psychoanalyse heute. edition diskord, Tübingen | Klein, M. (1928): Frühstadium des Ödipuskomlexes. In: Frühstadium des Ödipuskomplexes, S. 7-21 (1985) | Loewald, H. W. (1986): Das Dahinschwinden des Ödipuskomplexes. In: Loewald, H. W.: Psychoanalyse. Aufsätze aus den Jahren 1951-1979. Stuttgart (Klett-Cotta), S. 377-400.

Brüggen, Wilhelm:
[EK1] Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse Freuds
An Hand der 27. und 28. Vorlesung der Freudschen Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse möchte ich einen ersten Einblick in das Freudsche Konzept der Psychoanalyse geben, um von dort aus ermessen zu können, welch weite, teilweise sehr widersprüchliche und verwirrende Wege die Psychoanalyse seit dieser Zeit gegangen ist, denn „man versteht die Psychoanalyse immer noch am besten, wenn man ihre Entstehung und Entwicklung verfolgt.“ (Freud 1923, Psychoanalyse und Libidotheorie, GW XIII, S. 211).
Literatur
Freud Sigmund (1916-17): “Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse“ und dort insbesondere die 27. sowie die 28. Vorlesung über die Übertragung und die analytische Therapie. Studienausgabe Band I, Seite 415 – 445, GW B. XI, S. 447 – 483
Das Skript zur Veranstaltung ist im Mitgliederbereich einsehbar

Brüggen, Wilhelm:
[EK1+PsGV] Allgemeine Krankheitslehre Freuds
Freud entwickelte eine Vorstellung von der psychodynamischen Entstehung der Neurosen, die an einigen entscheidenden Punkten von den heute in den psychoanalytischen Lehrbüchern vertretenen Konzepten abweicht. Auch wenn man über die Aktualität seiner Konzeption inzwischen sicher unterschiedlicher Meinung sein kann, ist es für das Verständnis der heute im Mittelpunkt stehenden neoanalytischen und objektbeziehungstheoretischen Konzepte unverzichtbar, die ursprüngliche Auffassung zu kennen, von der sie sich kritisch absetzen. Während des ersten Termins möchte ich das Freudsche Grundmodell kurz vorstellen und Gelegenheit geben, an Hand dieses Modells die Freudsche Verwendung der wichtigsten metapsychologischen Begriffe im gemeinsamen Gespräch zu rekonstruieren. Im zweiten Teil werde ich dann auf einige wichtige Unterschiede zu den verschiedenen, heute gebräuchlichen psychoanalytischen Krankheitsmodellen näher eingehen.
Leider hat Freud seine Neurosentheorie nirgendwo abschließend zusammengefasst. Stattdessen gibt es viele verschiedene, über seine gesamte psychoanalytische Schaffensperiode verstreute Ausführungen. Folgende Texte sind dabei von besonderer Bedeutung: „Die Abwehr-Neuro-Psychosen“(1894), „Das Unbewusste“ (1915), „Übersicht der Übertragungsneurosen“ (1915, veröffentlicht 1985 von Grubrich-Simitis), „Realitätsverlust bei Neurose und Psychose“ (1924) sowie „Hemmung, Symptom und Angst“ (1926). Für eine erste Vorbereitung ist der Text „Das Unbewusste“ aus meiner Sicht am besten geeignet (vgl. Das Unbewusste, in: Studienausgabe Bd. III, S. 121-173 und in: GW, Bd. X, S. 264-303).
Das Skript zur Veranstaltung ist im Mitgliederbereich einsehbar.

Brüggen, Wilhelm:
[EK2] Französische Psychoanalyse: Die allgemeine Verführungstheorie Laplanches und was Lacan dazu sagen würde
Die „Allgemeine Verführungstheorie“ bildet den gegenwärtig theoretisch wohl anspruchsvollsten und angesichts neuerer entwicklungspsychologischer Befunde einzig noch konkurrenzfähigen Versuch, am Freudschen Konzept der infantilen Sexualentwicklung festzuhalten. Zugleich gibt sie einen guten Einblick in die Besonderheiten der französischen Psychoanalyse. In diesem Einführungsseminar sollen die Grundprämissen des Laplanche’schen Konzeptes einleitend rekapituliert werden, um dann anhand des Laplanche’schen „Übersetzungsmodells“ und seines „Verführungsbegriffs“ die klinisch-behandlungstechnischen Konsequenzen seiner „Allgemeinen Verführungstheorie“ zu diskutieren.
Literatur
Die meines Wissens erste deutschsprachige Veröffentlichung der Allgemeinen Verführungstheorie findet sich in dem Aufsatz: „Von der eingeschränkten zu der allgemeinen Verführungstheorie“ In: Laplanche, J. (1988): Die allgemeine Verführungstheorie und andere Aufsätze. S. 199-233. Eine aktuellere, leichter lesbarere und auch komprimiertere Fassung enthält der Aufsatz „Die rätselhaften Botschaften des Anderen und ihre Konsequenzen für den Begriff des Unbewussten im Rahmen der allgemeinen Verführungstheorie“. In: Psyche, Okt. 2004, 58 Jg. Heft 9/10, S. 898-913. In Bezug auf die klinische Anwendung des Laplanche’schen Konzeptes bietet der Aufsatz von Thomas Eichhorn: „Die Relevanz metapsychologischer Überlegungen für die Praxis der Psychoanalyse“ eine gute Einführung. In: Bayer, L., Quindeau, I. (Hg): Die unbewusste Botschaft der Verführung. Interdisziplinäre Studien zur Verführungstheorie Jean Laplanches 2004. Psychosozialverlag Gießen. S. 31-57. Weitere Ausführungen zum Laplanche’schen Übersetzungsmodell und zu seinem Begriff der Verführung enthält der Aufsatz von Udo Hock: „Botschaft und Übersetzung“ (in: ebenda, S. 121-137). Das Skript zur Veranstaltung ist im Mitgliederbereich einsehbar.

Burkard, Matthias:
[EK2+PsGV] Diagnose und Therapie schwerer Persönlichkeitsstörungen
Persönlichkeitsstörungen und speziell die Borderline-Persönlichkeitsstörung nehmen unter unseren Patienten immer mehr zu – vielleicht auch nur, weil sich unser diagnostischer Blick geschärft hat. In diesem Seminar sollen die Konflikte und strukturellen Besonderheiten bei Persönlichkeitsstörungen vermittelt werden. Es lohnt und führt zu einem besseren Verständnis, schwere Persönlichkeitsstörungen unter allen vier psychodynamischen Theorien (der Triebpsychologie, der Ich-Psychologie, der Objektbeziehungstheorie und der Selbstpsychologie) zu verstehen. Im zweiten Teil sollen Überlegungen und besondere Schwierigkeiten in der Therapie behandelt werden.
Kernberg: Borderline-Störung und pathologischer Narzißmus, Suhrkamp 1978
Kernberg: Psychodynamische Therapie bei Borderline-Patienten, Huber 1992
Rudolf: Strukturbezogene Psychotherapie, Schattauer 2004
Lohmer: Borderline-Therapie, Schattauer 2005



C


Citron, Gertrud:
[EK1+PsGV] Spezielle Neurosenlehre: Angst
Angst ist ein wichtiges Sensorium, das vor Gefahren schützt und zu Gegenmaßnahmen veranlasst. Ein Zuviel oder Zuwenig an Angst kann jedoch zu Störungen führen. In diesem Seminar geht es im ersten Teil um wesentliche theoretische Konzepte von und seit Freud. Im Anschluss sollen klinische Beispiele verschiedener Angstformen entlang der Ich-Entwicklung dargestellt werden.

Citron, Gertrud; Heimerl, Bernd:
[FK] Literaturseminar Reihe: Neue Autor*innen
Rosine J. Perelberg: Murdered Father, Dead Father- Revisiting the Oedipus Complex (Routledge 2015)
Murdered Father, Dead Father: ein Wiederbesuch des Ödipuskomplexes! Perelberg fokussiert in ihrem Buch die paternale Funktion im Ödipuskomplex in der Freud`schen Konzeptualisierung und verbindet sie mit anthropologischen Konzepten. Sie unterscheidet zwischen dem prä-ödipalen (narzisstischen) Vater (murdered father) und dem ödipal kastrierten Vater (dead father: hier verweist sie auf das Konzept A. Greens der toten Mutter). Diese differenzierte Konzeptualisierung des Ödipuskomplexes hinsichtlich der Vaterfunktion erhält dadurch verschiedene psychoanalytische Verstehensweisen des Ödipalen und Prä-Ödipalen in den Behandlungen mit dem „abwesenden“ Vater. Perelberg ist Lehranalytikerin in der British Psychoanalytical Society und hat eine Professur an der Psychoanalysis Unit at University College London. Sie praktiziert in London.
„Culturally and intellectually, this book has a breadth of vision that must enrich any reader. The wealth of ideas is underpinned by vivid clinical examples and, most especially, by a meticulous reading of Freud.“ (Michael Parsons).
In diesem Literaturseminar möchten wir Ihnen zunächst die Autorin kurz vorstellen, um dann einen kleinen Überblick über ihre psychoanalytische Position zu geben. Im Zentrum wird das erste Kapitel zur Einführung stehen:
Part 1: Paternal function: Theoretical and clinical considerations
Murdered father, dead father: Revisiting the Oedipus Complex (S. 11-36)
Der Text ist leicht lesbar, angereichert mit Fallbeispielen und einem spannenden Verweis auf Darth Vader in Star Wars! Unverständliches kann im Literaturseminar gemeinsam erschlossen werden.
Wir bitten um verbindliche Anmeldung zum Seminar unter drbernd.heimerl@t-online.de Dieses Kapitel können Sie über Herrn Heimerl im Vorfeld als pdf erhalten!


D


Deter, Hans-Christian:
[EK2+PsGV] Spezielle Psychosomatik -Herzkreislauferkrankungen in der Psychotherapie
Patienten, die eine Psychotherapie wünschen, haben unter Umständen körperliche Erkrankungen, die bei einer Diagnose-und Indikationsstellung und für eine sich anschließende Psychotherapie berücksichtigt werden sollten.
Psychosomatische Verursachung funktioneller Herzbeschwerden, der essentiellen Hypertonie und der Koronaren Herzerkrankung werden besprochen und die Bedeutung dieser Erkrankungen bei einer tiefenpsychologischen oder psychoanalytischen Psychotherapie diskutiert.

DPG-Institut am BIPP
Brüggen, Wilhelm:
Fortlaufendes Literaturseminar
In diesem Seminar sollen aktuelle psychoanalytische Veröffentlichungen besprochen werden, die von den Teilnehmern ausgesucht und vorgestellt werden. Es handelt sich um die Fortsetzung einer gleichen Seminarreihe aus den vergangenen Jahren. Um einen möglichst diskursiv-seminaristischen Arbeitsstil zu ermöglichen, bei dem es weniger um die Vermittlung vorgefertigten Wissens als vielmehr um den eigenständigen und kreativen Umgang mit den bestehenden, teilweise sehr gegensätzlichen Konzepten geht, handelt es sich um eine geschlossene Gruppe, deren Mitglieder regelmäßig teilnehmen. Wer neu hinzukommen möchte, sollte sich zuvor bei Wilhelm Brüggen unter w.brueggen@t-online.de anmelden.

DPG-Institut am BIPP
Deter, Hans-Christian:
Psychoanalytische Behandlungsaspekte bei der supportiven Psychotherapie.
Abstract folgt

DPG-Institut am BIPP
Eschmann, Rüdiger:
Anamnesenseminar
Die Anamnesenerhebung gehört zu unserem wichtigsten Handwerkszeug. Ausgehend vom aktuellen Erscheinungsbild des Patienten erheben wir die relevanten lebensgeschichtlichen Daten, um auf die unbewusste Psychodynamik zu schließen. In diesem Vorgehen kristallisiert sich unser psychoanalytisches Können. Dies soll am Beispiel einer Anamnese geübt werden, die von einem Kandidaten/einer Kandidatin vorgestellt wird. Das kann als Anamneseerhebung für die DPG-Ausbildung anerkannt werden. Wenn Sie selber zu diesem Termin eine Anamnese vorstellen möchten, melden Sie das bitte vorher bei Herrn Eschmann an.


DPG-Institut am BIPP
Heimerl, Bernd:
Das Junktim von Forschen und Heilen in der Psychoanalyse II
Das Freud'sche Junktim (1927) vom Heilen und Forschen besagt, daß Heilen und Forschen in der Durchführung von Psychoanalysen untrennbar miteinander verbunden sind und immer ausdrücklich auch interdisziplinär orientiert ist.
"In der Psychoanalyse bestand von Anfang an ein Junktim zwischen Heilen und Forschen, die Erkenntnis brachte den Erfolg, man konnte nicht behandeln, ohne etwas Neues zu erfahren, man gewann keine Aufklärung, ohne ihre wohltätige Wirkung zu erleben. Unser analytisches Verfahren ist das Einzige, bei dem dies kostbare Zusammentreffen gewahrt bleibt. Nur wenn wir analytische Seelsorge betreiben, vertiefen wir unsere eben dämmernde Einsicht in das menschliche Seelenleben. Diese Aussicht auf wissenschaftlichen Gewinn war der vornehmste, erfreulichste Zug der analytischen Arbeit." (Freud 1927, GW 14, S. 293 im Nachwort zur Laienanalyse).
In gemeinsamer Diskussion soll ein psychoanalytisches Forschungsthema erarbeitet, interdisziplinär beleuchtet und anschließend in einem Sammelband veröffentlicht werden.
Der erste Teil der Veranstaltung dient als Einführung und Diskussion in das Projekt. Der zweite Teil der Veranstaltung soll der Themenfindung dienen. Ein denkbares Thema wäre „Psychoanalyse und Politik“ (u.a. den Briefwechsel Freud /Einstein 1932, Marcuse 1968, Richter 2003). Die Veranstaltung ist als kontinuierliche DPG- Veranstaltung konzipiert und soll als geschlossene Gruppe stattfinden.
Bei Interesse bitte im Vorfeld bei Herrn Heimerl melden drbernd.heimerl@t-online.de

Dietrich, Barbara:
Seminar im Entspannungsverfahren
[EV] Autogenes Training I-IV (10:00h-17:00h), 1/4
(vor allem für ärztliche Weiterbildungskandidaten)
Das Autogene Training nach J.H. Schultz ist ein leicht erlernbares Entspannungsverfahren. Es basiert auf sechs Grundübungen, die stufenweise, in festgelegter Reihenfolge durchgeführt werden.
Angesprochen wird die vegetative Ebene, dadurch können unwillkürliche Körperfunktionen mithilfe gezielter Konzentration selbst beeinflusst werden. Körperliche und demzufolge auch psychische Spannungszustände verändern sich hinsichtlich eines Ruheerlebnisses.
Ziel der Methode ist eine durch gedankliche Vorstellungen herbeigeführte Tiefenentspannung des gesamten Organismus.
Der Kurs orientiert sich am praktischen Ablauf eines selbst geleiteten Autogenen Trainings, sowie an eigenen Erfahrungen mit dem Verfahren. Zudem werden die Methode, Grundlagen und Techniken zur Vermittlung dargestellt.
Inhaltlich werden die Grundlagen des Verfahrens, als auch die Methode zur Weitervermittlung dargestellt. Zudem orientiert sich der Kurs an vielen praktischen Übungen, sowie den Gesprächen hinsichtlich eigener Empfindungen und Wahrnehmung des Erlebten. Die Eigenerfahrung und das Erlernen des Verfahrend bilden die Grundlage zur Weitervermittlung des AT in der Praxis.
Voraussetzung zur Teilnahme ist eine Anmeldung unter: info@kbt-dietrich.de
Literaturangaben:
Hoffmann, B.: Handbuch des Autogenen Trainings, 19. Auflage, dtv, München 2012
Schultz, J.H.: Das Autogene Training, (konzentrative Selbstentspannung), Versuch einer klinisch-praktischen Darstellung. 20. Auflage; Thieme, Stuttgart 2003
Thomas; K.: Praxis des Autogenen Trainings, Neuauflage, TRIAS, Stuttgart 2006
Artikel zur Person J.H. Schultz
http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Heinrich_Schultz
Literatur: Eberhard J. Wormer: Schultz, Johannes. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 700 f. (Digitalisat).
http://www.lptw.de/archiv-vortrag2010.php
Dr. Philipp Mettauer, Wien "Vergessen und Erinnern" Die Geschichte der Tagung nach Quellen und Zeitzeugen (pdf) Johannes Heinrich Schultz
Vorherige Anmeldung unter dietrichbarbara@web.de



E


Englisch, Monika
[FK] Gegenübertragungsverwicklungen als Inszenierung archaischer, sadomasochistischer Objektbeziehungen
Wer verwickelt ist, ist nicht mehr frei im Wahrnehmen und Denken. In analytischen Beziehungen können wir durch Rollenübernahme Teil einer unbewussten Inszenierung und dadurch unfrei werden in unseren analytischen Möglichkeiten. Solche Verwicklungen können dann positiv gewendet werden, wenn es uns gelingt, sie zu verstehen und uns bewusst werden zu lassen. Erst dann können wir sie im Kontext des Übertragungs- und Gegenübertragungsgeschehens deutend bearbeiten. Nach einer kurzen theoretischen Einführung in die Konzepte des Einbezogen- und Verwickeltsein von Money-Kyrle, Feldman und Hinz soll die Darstellung einer Sequenz aus einer analytischen Behandlung anschaulich machen, wie eine Gegenübertragungsverwicklung zur Inszenierung einer frühen Objektbeziehung führen kann.
Feldman, M., 1999, Projektive Identifizierung: Die Einbeziehung des Analytikers. Psyche, Heft 9/10, S. 991-1014
Money-Kyrle, R., 2003, Normale Gegenübertragung und mögliche Abweichungen. In: Weiß, H., Frank, C. Normale Gegenübertragung und mögliche Abweichungen. Tübingen
Hinz, H., 2003, Wer nicht verwickelt wird, spielt keine Rolle. (Ebd.)

Englisch, Monika
[EK2+PsGV] Die Kunst des Anfangs: Einblicke in erste psychoanalytische Begegnungen
In ihrer bekannten Arbeit über ‚Die Kunst des Anfangs’ lässt uns Anita Eckstaedt einen Blick in ihr Behandlungszimmer nehmen. Sie zeigt anhand von ersten psychoanalytischen Begegnungen wie erste Übertragungsangebote entstehen, wie sie die Empfindungen und Gedanken des Behandlers beeinflussen und wie der unbewusste Gehalt von symbolischen Interaktionen ganz am Anfang von Behandlungen entschlüsselt werden kann. Im Seminar sollen ausgewählte Beispiele referiert werden, um zu zeigen wie durch den Prozess eines Gesprächs und seine anschließende Reflexion „erstaunliche Begegnungen immer mehr Sinn gewinnen.“ Nur wenn Behandler – wie auch die Teilnehmer des Seminars – sich dafür öffnen können, werden sie das Konflikthafte in dieser verdichteten Situation zunächst begreifen und dann analysieren können.
Literatur
Eckstaedt, Anita (1995): Die Kunst des Anfangs. Psychoanalytische Erstgespräche. Frankfurt, M.
Eckstaedt, Anita (1991): Wie Patienten erzählen – psychoanalytische Dialogstrukturen. In: Freiburger Literaturpsychologische Gespräche, Bd. 11, hrsg. Von Johannes Cremerius
Argelander, Hermann (1967): Das Erstinterview in der Psychotherapie. Psyche, 21, 341-368

Erhard, Carola:
[EK1] Freud – Topik
Teil I: In seiner ersten topischen Konzeption des psychischen Apparates unterscheidet Freud die Systeme Bewusst, Vorbewusst und Unbewusst. Die zugrunde liegenden Annahmen und Funktionsweisen dieser Systeme werden vorgestellt, gemeinsam mit den damit verbundenen Mechanismen der Verdrängung und Abwehr.
Teil II: Zum besseren Verständnis der Entstehung psychischer Störungen und unbewusster Abwehrmechanismen führte Freud das Strukturmodell (Es, Ich und Über-Ich) des psychischen Apparates ein, das hier zusammen mit den dynamischen und ökonomischen Gesichtspunkten des Modells erläutert und diskutiert werden soll.
Freud, S. (1900): Die Traumdeutung, VII. Kapitel, S 513/541 – 626
Freud, S. (1914): Zur Einführung des Narzissmus, GW X, S.138 - 170
Freud, S. (1913): Das Unbewusste, GW X, S.264 – 303
Freud, S.: Vorlesungen zur Einführung in die PA, GW XI, S.305
Freud, S. (1923): Das Ich und das Es, GW XIII, S. 246-267
Freud, S.: Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die PA, GW XV, S. 85.

Eschmann, Rüdiger:
[EK1] Einführung in die kulturtheoretischen Schriften Freuds
Mit der Entdeckung des Unbewussten hatte Freud die Möglichkeit, neue Hypothesen aufzustellen über Kultur, Religion, Gesellschaft und Politik. Einige dieser Ideen werden am Beispiel von Freuds „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ (1921) vorgestellt. Sowohl deren historische Bedingtheit als auch ihre aktuelle Anwendbarkeit auf Phänomene wie Populismus und Terrorismus werden diskutiert.

Eschmann, Rüdiger:
[EK1] Was ist klassische Analyse?
Das Liegen, 3 oder 4mal die Woche, das Schweigen, die Zurückhaltung, das Ausfallshonorar? Oder ein bestimmtes Menschenbild, die Triebpsychologie? Oder eine Referenzliteratur, die Schriften von Freud? Alles irgendwie schon, aber doch nicht immer ganz Konsens unter „klassischen“ Psychoanalytikern, nie ganz spezifisch gegenüber anderen Verfahren. Es soll dann auch um Merkmale gehen, die impliziter Konsens sind und spezifisch von anderen Richtungen unterscheiden.

Eschmann, Rüdiger:
[FK] Die tote Mutter. Ein Konzept von André Green
Der französische Psychoanalytiker André Green hat sich in seinem umfangreichen Werk mit dem „kalten Kern des Seelenlebens“ auseinandergesetzt, der uns bei narzisstisch gestörten Menschen ratlos machen kann. In seiner bekanntesten Arbeit „Die tote Mutter“ beschreibt Green was passiert, wenn in der frühen Kindheit des Patienten die Mutter durch eine Trauer völlig in Anspruch genommen wurde, so dass sie sich gegenüber dem Kind seelisch zurückzog. Es geht nicht um den realen Tod, sondern um die Depression der Mutter, die sie für das Kind in eine „unbeseelte Figur verwandelt“. Hier wird ein Kernproblem entgleister seelischer Entwicklung berührt: Die Blockade des frühen Mutter-Kind-Dialoges. Green macht verständlich, warum die Patienten in den Gefühlen von radikalem Ausschluss, kalter Einsamkeit, Sinnlosigkeit, Leere, Todesnähe und unbändigem Hass gefangen sind wie in einer Falle und weshalb die Analysen regelmäßig stagnieren. Green zeigt aber auch Möglichkeiten auf, wie eine Befreiung aus der Falle gelingen und der „kalte Kern des Seelenlebens“ lebendig gemacht werden könnte.
Green (2004): Die tote Mutter-Psychoanalytische Studien zu Lebensnarzissmus und Todesnarzissmus, Gießen, S. 233 - 265.

Eschmann, Rüdiger:
[FK] Konzepte der frühen Triangulierung an einem Fallbeispiel
Während in der klassischen psychoanalytischen Konzeption von Hysterie der Verzicht auf ödipal-inzestuöse Wunschfantasien im Vordergrund steht und in anderen (auch neueren) Theorien im Ausweichen vor der Ödipalität der entscheidende Faktor in der Genese der Hysterie gesehen wird, versteht Rupprecht-Schampera (1995) Hysterie als Störung sowohl zum primären als auch zum ödipalen Objekt. Dieser Ansatz erweitert triebtheoretische um objektbeziehungstheoretische Aspekte und ermöglicht es, verschiedene Konfliktebenen miteinander zu verbinden und komplexe Abwehrgefüge zu verstehen. Es soll das Konzept der frühen Triangulierung in der Hysterie von Rupprecht-Schampera dargestellt werden. Ausgehend davon soll anhand von Fallmaterial aus Behandlungs-stunden einer analytischen Psychotherapie mit einem männlichen Hysteriker die Theorie verdeutlicht und praktisch vertieft werden.
Literatur
Rupprecht-Schampera, U. (2001). „Hysterie“ – eine klassische psychoanalytische Theorie? In Seidler, G. H. (Hg.): Hysterie heute – Metamorphosen eines Paradiesvogels (S. 103-132). (2., Aufl.) Psychosozial-Verlag.
Rupprecht-Schampera, U. (1999). „Hysterie“ – ödipal oder pseudoödipal? In Brech E., Bell K. & Marahrens-Schürg, C. (Hrsg.): Weiblicher und männlicher Ödipuskomplex (S. 169-187). Göttingen: Vandenhoeck & Rupprecht.

Eschmann, Rüdiger; Mahdavi, Roxana:
[FK] Regression - ein zentrales Konzept unserer Behandlungstechnik
Unter „Regression" verstehen Psychoanalytiker eine Rückbildung des psychischen Funktionsniveaus, wie wir sie oft in den Behandlungen erleben. Freud meinte dies im strukturellen Sinne, der Rückkehr zu einer psychisch niederen Struktur („topische Regression“), aber auch im entwicklungspsychologischen Sinne, der Rückkehr zu einem früheren Niveau der Triebentwicklung („zeitliche Regression“). Die Ichpsychologen entdeckten später die „Regression im Dienste des Ich“. Michael Balint unterschied die gutartige von der malignen Regression. Mit den weiteren Entwicklungen wurde das Regressionskonzept ein zentraler Baustein für unsere Behandlungstechnik: Die Indikationsstellung und die einzelnen Interventionen erfordern eine Einschätzung des jeweiligen Regressionsniveaus und der Regressionsbereitschaft. Auch manche Notfallsituationen in Psychotherapien wie Abbrüche, Grenzüberschreitungen und Missbrauch können besser verstanden und vermieden werden mit Hilfe des Regressionskonzeptes.



F


Fink, Annette:
[FK] Arbeitsstörungen – psychodynamische Bedeutung
In diesem Seminar werden wir Aspekte der Arbeit in ihrer psychodynamischen Bedeutung für den Menschen betrachten und darauf aufbauend verschiedene psychodynamische Hintergründe von Arbeitsstörungen untersuchen und anhand von Fallbeispielen erörtern.
Hirsch, M (2000): Psychoanalyse und Arbeit. Kreativität, Leistung, Arbeitsstörungen, Arbeitslosigkeit
Lüders, W (1967): Lern- und Leistungsstörungen. Ein Beitrag zur Psychoanalyse der Arbeitsstörungen, Psyche 21 (12), S. 915-938
Freud (1926): Hemmung, Symptom und Angst. GW XIV, S. 113-205



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