BIPP



Abstracts


Die Abstracts zu den curriculär angebotenen Seminaren sind alphabetisch nach Dozentennachnamen sortiert.
Neben den Abstracts gibt es auch zu den meisten Seminaren ausführliche Vorlesungsskripte, die im Kandidaten-/ Mitgliederbereich eingesehen und heruntergeladen werden können. Mitglieder und Kandidaten des BIPP können die Zugangsdaten im Sekretariat des BIPP anfragen.




Abstracts alphabetisch nach Dozentennamen A-F


[EK+FK] Kandidatenversammlung für alle Aus- und Weiterbildungskandidaten des BIPP
Dieser Termin soll allen KandidatInnen die Möglichkeit zum allgemeinen Austausch geben, insbesondere Fragen zu Veranstaltungen, Curriculum und anderen Institutsbelangen können diskutiert werden. Kritik und Verbesserungswünsche sollen gesammelt werden, um sie zeitnah an die entsprechenden Gremien weiterleiten zu können.

A



Abendroth, Marlies
[FK] Fallstricke der Psychoanalytischen Praxis nach Karl König

Es wird das gleichnamige Buch von Karl König vorgestellt, der praxisnah mögliche Schwierigkeiten von Behandlungssetting und -technik erörtert. Dabei reicht das Spektrum seiner Fragen von der Empfangssituation des Analysanden, konkret an der Praxisgestaltung diskutiert, bis zum Umgang mit dem Übertragungsangebot. In seinen Überlegungen berücksichtigt er immer wieder die verschiedenen Persönlichkeitsstrukturen des Analytikers.

Abendroth, Marlies / Theiss-Abendroth, Peter
[FK] Trauma und Psychose

Dieses Seminar baut auf das Seminar „Psychoanalytisch begründete Psychotherapie schizophrener Psychosen“ auf und vertieft einen Aspekt, dem nach Erfahrung der Referenten in der klinischen Praxis besondere Bedeutung zukommt: die häufig anzutreffende traumatische Ge-nese psychotischer Störungsbilder. In einem maßgeblichen Beitrag hat Georg Bruns überzeu-gend auf eine Konvergenz zwischen dem von Stavros Mentzos beschriebenen „schizophrenen Dilemma“ und kontradiktorischen Strukturen traumatischer Beziehungserfahrungen hingewiesen. Zugleich belegen empirische Studien die überdurchschnittliche Inzidenz traumatischer Erlebnisse in den Biographien schizophren erkrankter Patienten.
Das Seminar gliedert sich in zwei Abschnitte: Zunächst werden die theoretischen Grundlagen teilweise in Wiederholung des ersten Seminars zur Psychosentherapie dargestellt, so dass dessen Besuch keine notwendige Teilnahmevoraussetzung bedeutet. Dazu gehört auch der Verweis auf Freuds frühe Schriften, in denen er eine traumatische Genese nicht nur der Hys-terien, sondern auch einiger psychotischer Störungen beschreibt. Mit seiner weitgehenden Abwendung von der sogenannten Verführungstheorie 1897 verlor auch die traumatische Genese der Psychosen für ihn wie für die anderen Psychoanalytiker der ersten Generation an Plausibilität. Dabei ist es äußerst gewinnbringend, seine berühmte „Schreberstudie“ einer psychotraumatologischen Neulektüre zu unterziehen.
Erst mit Sándor Ferenczi tauchte in der Psychoanalyse wieder der Gedanke an eine traumatische Genese auch psychotischer Bilder auf. Zudem werden im Seminar auch einige nicht-psychoanalytische Konzepte vorgestellt, in denen eine traumatische Genese von Psychosen angenommen wird.
Im zweiten Teil wird anhand eines klinischen Beispiels aus der eigenen Praxis beschrieben, wie eine traumatische Genese sich in einer psychotischen Störung manifestieren und dieses Wissen behandlungstechnisch nutzbar gemacht werden kann.
Literatur:
Alanen YO et al. (Hg) (2009) Psychotherapeutic Approaches to Schizophrenic Psychoses: Past, Present, and Future. Routledge, East Sussex
Bruns, G (2012) Gefährliche Nähe. Trauma und schizophrenes Dilemma. Forum der Psycho-analyse 28 (3), 225-243
Ferenczi S (1932, 2013) Das klinische Tagebuch. Psychosozial, Gießen
Freud S (1894a) Die Abwehr-Neuropsychosen. GW 1, 59-74. Fischer, Frankfurt a. M.
Freud S (1896b) Weitere Bemerkungen über die Abwehr-Neuropsychosen. GW 1, 379-403. Fischer, Frankfurt a. M.

Abl, Gerald
[FK] Otto Fenichel: Der Polyhistoriker der Frühgeschichte der Psychoanalyse, (Teil I+II)

Als eine der faszinierendsten Persönlichkeiten in der frühen Entwicklung der Psychoanalyse war Otto Fenichel nicht nur wesentlich an der Ausarbeitung einer regulären Ausbildung zur psychoanalytischen Therapie mitwirkend, sondern auch an einer Weiterentwicklung der Psychoanalyse als übergreifender Wissenschaft mit einem vitalen Interesse an einer Verknüpfung mit angrenzenden Wissenschaftsgebieten. Dabei fasste er in seinem Hauptwerk, der psychoanalytischen Neurosenlehre, in der bis dahin umfassendsten Form die verschiedenen Erkenntnisse und Konzepte der Psychoanalyse in kommentierter und ergänzter Weise zusammen. Und in seiner langjährigen Gestaltung des Austausches mit fortschrittlichen PsychoanalytikerInnen über seine Rundbriefe lieferte er erhellende Einblicke in die inneren Auseinandersetzungen der psychoanalytischen Organisation im Zuge ihrer beginnenden Auffächerung. Unermüdlich in einem ständigen Ringen um neue Einsichten in das menschliche Seelenleben und eine Vermittlung des erreichten Wissens an die nachfolgende Generation, setzte er dies selbst während seiner erforderlichen langwierigen Flucht vor dem Faschismus und zuletzt noch in den USA fort.
Literatur
FENICHEL, OTTO (1998): Aufsätze. 2 Bd., Klaus Laermann (Hrsg.), Psychosozial-Verlag, Gießen.
DERS. (2001): Probleme der psychoanalytischen Technik. Michael Giefer u. Elke Mühlleitner (Hrsg.), Psychosozial-Verlag, Gießen.
DERS. (2014): Psychoanalytische Neurosenlehre. Studienausgabe. 3 Bd., Übers. aus d. Amerikan., 2. Neuaufl., Psychosozial-Verlag, Gießen.
DERS. (1998): 119 Rundbriefe. 2 Bd., Johannes Reichmayr u. Elke Mühlleitner (Hrsg.), Stroemfeld-Verlag, Frankfurt am Main.
MÜHLLEITNER, ELKE (2008): Ich – Fenichel. Das Leben eines Psychoanalytikers im 20. Jahrhundert. Zsolnay-Verlag, Wien.

Abl, Gerald
[FK] Sigmund Freuds ‚Massenpsychologie und Ichanalyse’

Etwas ins Abseits geraten scheinen Freuds Arbeiten, die sich mit Themen befassen, die in ihrem Schwerpunkt jenseits der Couch befinden. Dazu gehören u.a. seine Überlegungen zu sozialpsychologischen Erscheinungen. Ausgehend von seinen vor allem im therapeutischen Zusammenhang gewonnenen Erkenntnissen begibt sich Freud immer wieder auf den Weg in die Erforschung grundlegender Wirkungszusammenhänge der Kulturgeschichte und des gesellschaftlichen Lebens. Als Pionier, der seine eigenen Forschungsmethoden und Verständ-nismöglichkeiten mitbringt, wagt er sich vor in die Erforschung bekannter Massenphänomene und bringt dabei wesentliche neue Einsichten zutage, die dann wiederum zurückwirken auf sein therapeutisches Verständnis. Die Psychologie des Individuums ist bei Freud insofern stets auch als Sozialpsychologie zu verstehen und damit auch als mehr als eine ‚Ein- oder Zwei-Personen-Psychologie’.
Seine von hier ausgehende Inspiration regte nachfolgende Generationen beispielsweise an zu einer Konzeptionierung einer analytischen Sozialpsychologie, die noch kurz vorgestellt werden soll.
Literatur
ANALYTISCHE SOZIALPSYCHOLOGIE (1980): 2 Bd., Beiträge von Paul Federn u.a.. Helmut Dahmer (Hrsg.), Suhrkamp, Frankfurt am Main.
FREUD, SIGMUND (1967): Massenpsychologie und Ichanalyse. Aus: Ders.: Gesammelte Werke. Bd. XIII, A. Freud u.a. (Hrsg.), 5. Aufl., Fischer, Frankfurt am Main. S. 137 – 171.
FROMM, ERICH (1980): Analytische Sozialpsychologie und Gesellschaftstheorie. 6. Aufl., Suhrkamp, Frankfurt am Main.

Alpermann, Mechthild:
[EK2] ‘Der kompetente Säugling‘ – neuere präverbale Entwicklungstheorien, (Teil I+II)

In die grundlegende psychoanalytische Theorienbildung Freuds flossen bereits seine eigenen unsystematischen zeitgemäßen Beobachtungen über kindliches Verhalten ein (siehe z.B. Freuds „Ödipuskomplex“). Durch weitere Einbeziehung historisch-anamnestischer Überlegungen schloss er auf die notwendige Existenz eines Unbewussten. Die nachfolgende Generation entwicklungspsychologisch engagierter Analytiker z.B. Klein, Winnicott, Spitz, Bowlby und Mahler bestätigten oder präzisierten mit ihren Erkenntnissen die bereits bestehenden Konzepte. Der wachsende Einfluss weiterer empirischer Forschungsergebnisse für ein heutiges entwicklungspsychologisch untermauertes psychoanalytisches Denken setzte sich fort und findet z.B. im „Mentalisierungskonzept“ von Fonagy und dem Konzept des „virtuellen Selbst“ von seinen Niederschlag. Die Beschäftigung mit relevanten Forschungserkenntnissen kann die eigene therapeutische Aufmerksamkeit auf ganz neue Bereiche und Erfahrungen in der frühen Lebensgeschichte lenken und dafür in der regressiven therapeutischen Situation sensibilisieren. Das Wissen um gesunde und gestörte Interaktionen, Defizite und Versagungen können das Verständnis für die Art und Weise der resultierenden frühen Strukturbildung verbessern und für das Verstehen der Interaktion zwischen TherapeutIn und PatientIn hilfreich sein.
Literatur
Baumgart, M. (1991): Psychoanalyse und Säuglingsforschung: Versuch einer Integration unter Berücksichtigung methodischer Unterschiede. Psyche, 45(9), 780-809.
Dornes, M.(2001): Die frühe Kindheit: Entwicklungspsychologie der ersten Lebensjahre. Frankfurt/M. Geist und Psyche. Fischer.
Dornes, M. (1993): Der kompetente Säugling. Die präverbale Entwicklung des Menschen.
Dornes, M. (2002): Der virtuelle Andere. Aspekte vorsprachlicher Intersubjektivität. Forum Psychoanalyse 18:303-331.
Fonagy, P., Gergely, G., Jurist, E.L., Target, M. (2004):. Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst.

Alpermann, Mechthild:
[EK2] Objektbeziehungstheorie, (Teil I+II)

Verschiedene Objektbeziehungstheorien vermitteln Einsichten in die Entstehung des Erlebens und der Wechselwirkung von intrapsychischen Repräsentanzen und der äußeren Realität, die sich auf die Struktur des Ichs und die Formen der Konfliktbewältigung auswirken. Dem ursprünglich Triebhaften und anderen Motivationssystemen kommen dabei unterschiedliche Gewichtungen zu. Die Theorien sollen vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden.
Literatur
J. Sandler u. A.-M. Sandler (1999): Innere Objektbeziehungen.
Winnicott (2002): Reifungsprozesse und fördernde Umwelt. Studien zur Theorie der emotionalen Entwicklung.
Kernberg (1992): Objektbeziehungen und Praxis der Psychoanalyse.

Altrichter, Viola
[EK+FK] Vorislamische Religionen und ihre Einflüsse auf den Koran und die Geschichte der Kaaba

Wie hat sich der Islam in den ersten Jahrhunderten mit den in seinem Einflußbereich vorherrschenden pantheistischen und polytheistischen Strömungen sowie mit den bereits etablierten monotheistischen Religionen (Judentum und Christentum) im arabischen Raum auseinander-gesetzt und wie konnte sich Mohammed siegreich behaupten. Wie wurde zum Beispiel aus der von allen Stämmen verehrten, mächtigen Schwarzen Göttin das größte Heiligtum des Islam, nämlich die Kaaba? Welche verdrängten, ja tabuisierten früheren, auch mutterkultischen Traditionen haben sich bis heute in Kulten, Riten, Gebräuchen und Geboten im Islam erhalten? Mit einem mythen- und bewußtseinsanalytischen Ansatz sowie einer sozial-psychologischen Annäherung aus westlicher Sicht soll diesen Fragen nachgegangen werden.


B



Baldanza, Mirella
[FK] Behandlungstechnische Übungen: Patienten- und analytikerzentrierte Deutung

Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass der Patient und der Analytiker u.U. unterschiedliche Behandlungsvorstellungen und Ziele verfolgen, was besonders bei frühgestörten Patienten – Borderline–Störungen, narzisstische Störungen – oft vorkommt. Diskutiert werden soll das daraus folgende behandlungstechnische Dilemma. Im Anschluss an Teil I des Seminars wird nochmals die unterschiedliche Deutungsform, wie von John Steiner vorgeschlagen, zusam-mengefasst und anhand einer Fallvorstellung verdeutlicht. Wünschenswert wären auch Fallbeispiele und Stundenprotokolle der Teilnehmer des Seminars, um gemeinsam die unter-schiedlichen Deutungsformen anhand des Fallmaterials zu diskutieren.
Literatur
John Steiner (1998): Orte des seelischen Rückzugs.

Baldanza, Mirella:
[EK2] Einführung in die kleinianische Entwicklungstheorie, (Teil I+II)

Nach einem kurzen historischen Überblick werde ich in der Einführung in die kleinianische Entwicklungstheorie einige zentrale Konzepte, vor allem die Annahme von „inneren Objekten“ und „ubw Phantasien“ wie auch das Konzept der „projektiven Identifizierung“ darstellen. Anhand von klinischen Fallvignetten möchte ich jeweils die theoretischen Annahmen ver-deutlichen und mit den Teilnehmern diskutieren.
Literatur
Hanna Segal: Melanie Klein – Eine Einführung in ihr Werk. Ed.Diskord
Claudia Frank/Heinz Weiß (Hrsg.) Kleinianische Theorie in klinischer Praxis
Schriften von Elizabeth Bott Spillius, Klett Cotta Verlag (2002)
Rosemarie Kennel/Gertrud Reerink (Hg.) Klein, Bion – Eine Einführung, Ed.Diskord (2002)

Balz, Monika
[FK] Wie eine Fliege im Spinnennetz? Befreiungsmöglichkeiten. Von der Zumutung mancher Übertragungen für die Persönlichkeitsstruktur mancher Therapeuten

Therapeuten haben unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen. Und wenn es einem Thera-peuten auch gelingt, sich (vielleicht auch in seiner Lehranalyse) mit seiner Persönlichkeitsstruktur zu versöhnen und mit ihr in seiner mitmenschlichen Umwelt gut klar zu kommen, dann schaffen es Patienten doch manchmal, durch ihre Übertragungsangebote, ihn in die neurotischen Muster zu ziehen, die er glaubte, längst überwunden zu haben.
Besonders intensiv kann dies durch Projektive Identifizierungen geschehen.
Doch auch manche „einfache Übertragungen“ können schwierige Aufgaben sein – besonders wenn man ihnen, weil sie einem nicht liegen, durch Vermeidung oder Reaktionsbildung aus-zuweichen versucht.
So ist es z.B. für eine depressiv strukturierte Therapeutin nicht leicht, eine sehr negative Mu- Übertragung auszuhalten. Und je mehr sie sich der Rollenübernahme der „bösen“ Mu zu entziehen versucht, umso mehr wird sie sich darin verstricken, und schließlich darin gefangen sein, wie eine Spinne im Spinnennetz. Der Pat, der mit seiner aggressiven Übertragung dann beispielsweise immer nur auf Fürsorglichkeit der Therapeutin trifft, wird entweder seine Aggressionen gegen sich selbst richten, oder er wird noch aggressiver werden. Oder aber er wird die Therapie ausdünnen durch Absagen von Stunden oder sie gar abbrechen, weil er sich mit seinen unerträglichen Gefühlen allein gelassen fühlt, weil ihn diese immer mehr andrängenden Gefühle ängstigen – und er meint, sich und die Therapeutin vor seiner Destruktivität schützen zu müssen.
Für einen narzisstisch strukturierten Therapeuten sind ständige Entwertungen oder Ignorierung durch Pat besonders schwer aushaltbar. Narzisstische Verführungen jedoch besonders gefährlich. Ein eher zwanghaft strukturierter Therapeut kann sich schwerer als manch anderer von anal- sadistischen Beziehungsangeboten und Machtkämpfen distanzieren...
In der Vorlesung wird theoretisch und mithilfe konstruierter Fallbeispielen (sämtliche Beispiele sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit konkreten Supervisionsfällen wären zufällig) auf diese unterschiedlichen Schwierigkeiten eingegangen, in die man als analytischer oder tiefen-psychologischer Behandler, je nach Persönlichkeit, mehr oder weniger leicht geraten kann.
Auch wird versucht, gemeinsam herauszufinden, wie man es als der Therapeut, der man nun mal ist, schaffen kann, sich in die Übertragungsnetze wohl mutig zu begeben, aber sich nicht zu sehr einwickeln zu lassen.
Literatur: Karl König: Gegenübertragungsanalyse.

Balz, Monika:
[EK1+PsGV] Anamnesenerhebung. Praxisseminar – modellhafte Erstellung eines Berichts, (Teil I+II)

In diesem Seminar wird speziell auf (in Anamnesesupervisionen) häufig beobachtete Schwie-rigkeiten bei der Anamnesenerhebung- und Psychodynamikerkennung eingegangen. Außerdem geht es um die weitere Einübung und Handhabung des BIPP-Anamnese-Schemas.
Beim zweiten Termin wird speziell auf (in Anamnese–Supervisionen) häufig beobachtete Schwierigkeiten bei der Anamnesenerhebung und Psychodynamikerkennung eingegangen. Außerdem geht es um die weitere Einübung und Handhabung des BIPP-Anamnese-Schemas.

Balz, Monika:
[EK2] Behandlungstechnik: Umgang mit Schamkonflikten

Scham erfasst das ganze Selbst. (Wurmser 2007) Sie kann blitzartig den ganzen Körper über-fluten, und ruft sichtbare vegetative Reaktionen hervor (wie Erröten, Erblassen, Erstarren) welche dann wiederum zu Scham führen. In jeder mitmenschlichen Beziehung besteht die Ge-fahr der beschämenden Bloßstellung. Aber ganz besonders wird diese Gefahr gespürt in der Psychoanalytischen Behandlungsstunde, in der man unzensiert alles sagen soll was einem einfällt. Verstärkt wird die Situation noch dadurch, dass der Analytiker sich selbst nicht zeigt, und man noch nicht einmal seine Reaktion durch Beobachtung der Mimik kontrollieren kann. Es gibt kaum eine psychoanalytische Sitzung, in der Scham nicht auftaucht. Oft nur wird das nicht bemerkt, denn das Erleben und Aussprechen von Schamgefühlen ist bereits ebenfalls schamhaft besetzt. Scham wird manchmal abgewehrt durch verschiedene Mechanismen, wel-che dann das gesamte Übertragungsgeschehen einfärben können, beispielsweise durch: emo-tionale Kälte, Intellektualisierung, hochmütige Distanziertheit, subtile (bis grobe) Verachtung anderer... Hier wird die Beschämung und Verachtung die der Pat fürchtet, aktiv auf den Ana-lytiker, und - oder auf dritte - umgelenkt. Dies kann manchmal dazu führen, dass sich dann der Analytiker in der Gegenübertragung vom Patienten beschämt fühlt. Eine Abwehrformen der Scham kann sich auch verbergen hinter vorwegnehmender Selbsterniedrigung: Hier wird versucht, dem befürchteten Angriff vorher zu kommen, und somit den Prozess zu kontrollieren. In der Vorlesung wird eingegangen auf Auslöser für Scham, auf den bedeutsamen Unterschied zwischen Scham – und Schuldgefühlen, welche manchmal gegensätzlich im Konflikt zueinander stehen können, sowie auf die Entstehung der Scham in der Genese. Anhand von Fall- Beispielen wird beschrieben, dass man durch Beschämung und Verachtung wirksamer Unterwerfung unter Normen erzwingen kann, als durch Bestrafung). Die Urangst der Scham ist die Angst, vom Liebesobjekt, oder der ganzen menschlichen Gemeinschaft nicht mehr als (achtens – und liebens-) würdiges menschliches Wesen angesehen, und deshalb verspottet, verlassen und ausgeschlossen zu werden. Für einen Patienten, der in seiner Genese für das Zeigen von authentischen Gefühlen und Wünschen sehr beschämt wurde, müssen das analyti-sche Setting und das freie Assoziieren also sehr ängstigend sein. Die Analysestunde stellt jedoch auch eine exhibitionistische Versuchungssituation dar, da in ihr der Wunsch des Patienten, in seiner Authentizität gesehen, angenommen und bewundert zu werden, wecken kann. Diese erweckten exhibitionistischen Wünsche jedoch können dann wiederum Angst vor Kont-rollverlust führen, und somit die Beschämungsangst verstärken.
Ziel der Vorlesung ist es, ein Verständnis für diese Schamkonflikt- Mechanismen zu vermitteln. Dieses soll dann dazu beitragen in den eigenen Behandlungen ihre Auswirkungen auf die Übertragung – und Gegenübertragung zu erkennen. Es werden hierzu Beispiele aus eigener Praxis vorgestellt. Beispiele aus dem Zuhörerkreis sind willkommen!
Literatur: Wurmser , L - Die Maske der Scham (Springer Verlag Dietmar Klotz 2007)

Begrüßungsveranstaltung für alle AusbildungskandidatInnen im BIPP zur Einstimmung ins neue Semester:
[EK+FK] Einführung in die Psychoanalyse
Fliegen Sie mit uns in eine fremde Galaxie: Star Trek
Folge: Kirk : 2 = ? (The Enemy Within; USA 1966; Deutschland 1972, 50 Min.)

Nach einer Expedition auf einen tödlich kalten Planeten hat eine Transporterfehlfunktion Captain Kirk in zwei Hälften gespalten: Einer ist schwach und unentschlossen, aus Angst, irgendeine Entscheidung zu treffen; der andere ist ein niederträchtiger und gewalttätiger Mann, der gerne Brandy trinkt und weibliche Besatzungsmitglieder sexuell bedrängt. Die These dieser Folge ist: Obwohl es wichtig ist, Güte für Verstand und Barmherzigkeit zu haben, ist es die böse Seite, die entscheidende Tatkraft und Stärke liefert. Einer, ohne den anderen, kann nicht überleben. Nach der geglückten Zusammenführung der beiden Persönlichkeitsanteile wirkt Kirk wie betrunken. Spock ist besorgt und er fragt sanft „Kapitän?". Kirk zieht dramatisch sein Gesicht hoch. „Ja, ich bin es, Spock!“
Nach der Filmvorstellung möchten wir zur gemeinsamen Diskussion über die Darstellung der Doppelgängerfunktion und der Subjektspaltung in der Folge The Enemy Within einladen und stimmen Sie dadurch auf das neue Semester am BIPP ein.
Gertrud Citron, Carola Erhard, Bernd Heimerl und Angeles Llorca (AG Film am BIPP)
(bitte am 16.4.18, 20:15).Gertrud Citron, Carola Erhard, Bernd Heimerl und Angeles Llorca (AG Film am BIPP)

Berkel, Irene
[FK] Lektüreseminar freudsche Theorie: „Der kleinen Hans“, (Teil I+II)

Abstract folgt

Born, Alexandra / Braun, Christoph
[FK] Geschichte der Psychoanalyse, (Teil I, Teil II folgt in einem späteren Semester)

Abstract folgt

Born, Alexandra/ Citron, Gertrud/ Heußer, Angelika:
[EK1] Studieneinführung: Die Struktur und der Ausbildungsrahmen des BIPP und des DPG-Instituts am BIPP

Diese Einführungsveranstaltung möchte den Rahmen bieten, auftauchende Fragen hinsichtlich der Struktur, der Ausbildungsabläufe, verschiedener Aus- und Weiterbildungsgänge und Prüfungsbedingungen offen auszutauschen, da erfahrungsgemäß diese erst konkret werden, wenn die Aus- und Weiterbildung von Kandidaten begonnen wurde.

Braun, Christoph
[FK] Literaturseminar zum Konzept der Gegenübertragung M. Little und A. Reich, (Teil I+II)

Gemeinsame Lektüre und Diskussion zweier "klassischer" Texte zur Gegenübertragung und ihrer Verwendung. Die Texte stehen zur Vorbereitung im geschlossenen Mitgliederbereich der Homepage des BIPP.

Braun, Christoph
[FK] Literaturseminar: Ermann: Die Übertragung als Matrix der Traumgenerierung (2005), (Teil I+II)

Gemeinsame Lektüre und Diskussion von Ermanns Konzept höher- und niederstrukturierter Träume und seiner Verwendung. Der Text steht zur Vorbereitung im geschlossenen Mitgliederbereich der Homepage des BIPP oder kann von allen AK über den Online-Zugang zum Forum der Psychoanalyse herunter geladen werden (Forum Psychoanal 2005, 21, S. 156-167).

Braun, Christoph
[FK] Literaturseminar: Joan Riviere: Weiblichkeit als Maske (1929) und Beitrag zur negativen therapeutischen Reaktion (1936)

Gemeinsame Lektüre und Diskussion zweier "klassischer" Texte der Psychoanalyse. Die Texte stehen zur Vorbereitung im geschlossenen Mitgliederbereich der Homepage des BIPP.

Braun, Christoph:
[FK] Klassiker der Psychoanalyse: Ernest Jones, (Teil I+II)

Ernest Jones (1879-1958) gilt als Freuds „Königsmacher“. Er ist der wichtigste Wegbereiter und Verbreiter der frühen Psychoanalyse im englischen Sprachraum und eine zentrale Figur in der Organisation der (internationalen) psychoanalytischen Bewegung. Nach einem Abriss seiner Biographie und der Darstellung seiner Position in der Psychoanalyse werden seine wichtigsten theoretischen Arbeiten und Begriffe vorgestellt und kritisch diskutiert.

Brenner, Kristina/ Scheelhaase, Claudia:
[FK] „Formulierungen über die zwei Prinzipien seelischen Geschehens“ (Freud 1911)

In diesem relativ frühen Text beschäftigt sich Freud mit den 2 Prinzipien des seelischen Funktionierens und beschreibt, wie die primären Vorgänge, die dem Lust-Unlustprinzip gehorchen trotz der Entwicklung des Realitätsprinzips ein Leben lang auch später Erworbenes durchdringen. Wichtigen Denkfiguren wie Ich-Triebe, Sexualtriebe, Phantasien, Halluzinatorische Wunscherfüllung, den Begriff der Wahrnehmung und der Realität sowie Freuds Gedanken darüber, wie Denken entsteht, können wir in diesem Aufsatz nachgehen.

Brüggen, Wilhelm
[FK] Beendigung von Psychoanalysen und tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapien, (Teil I+II)

Die Beendigung der Behandlung bezeichnete schon Freud als den schwierigsten Teil der Psy-chotherapie. Hier entscheide sich, ob es zu einer erneuten Verdrängung des zwischenzeitlich bewusst Gewordenen kommt oder ob die Therapieerfahrungen auch auf andere Beziehungen übertragen werden können. Schon bei Freud gibt es zwei sich widersprechende Konzepte mit Trennungen umzugehen. 1916 entwickelte er in „Trauer und Melancholie“ sein Konzept der Trauerarbeit, bei dem es darum geht, die libidinöse Besetzung vom verlorenen Objekt ab- und neuen Objekten zuzuwenden (Freud 1916). 1923 stellte er dagegen in „Das Ich und das Es“ die Identifizierung mit dem verlorenen Objekt in den Vordergrund (Freud 1923, S. 256 ff.). Im Seminar sollen die behandlungstechnischen Konsequenzen dieser beiden in Trennungskonzepte diskutiert werden.
Literatur:
Freud, S. (1916): Trauer und Melancholie. GW X, S. 427-447.

Brüggen, Wilhelm
[FK] Abstinenz, Versagung und die Arbeit in der Übertragung, (Teil I+II)

Spätestens seit den 70er Jahren mit dem Aufkommen der Selbstpsychologie und dem wachsenden Einfluss der Objektbeziehungstheorie ist das Konzept des abstinenten Analytikers oder Psychotherapeuten ziemlich aus der Mode gekommen. Vor allem die intersubjektiv arbeitenden Kollegen betrachten die therapeutische Beziehung als ein relativ gleichgewichtiges wechselseitiges Verhältnis. Inzwischen gewinnt man den Eindruck, dass bei all diesen Neuerungen wichtige technische Prinzipien der Psychoanalyse bzw. der Psychotherapie verloren gingen. Deshalb scheint es mir interessant, an das Freud‘sche Konzept der Abstinenz bzw. der Versa-gung zu erinnern. Gleichzeitig soll in diesem Seminar erarbeitet werden, was die verschiedenen Konzepte für unser konkret behandlungstechnisches Vorgehen sowohl in der Psychoanalyse sowie in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie bedeuten.
Literatur:
Freud, S. (1915): Bemerkungen über die Übertragungsliebe. GW X, S. 305–321.

Brüggen, Wilhelm:
[EK1] Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse Freuds, (Teil I+II)

An Hand der 27. und 28. Vorlesung der Freudschen Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse möchte ich einen ersten Einblick in das Freudsche Konzept der Psychoanalyse geben, um von dort aus ermessen zu können, welch weite, teilweise sehr widersprüchliche und verwirrende Wege die Psychoanalyse seit dieser Zeit gegangen ist, denn „man versteht die Psychoanalyse immer noch am besten, wenn man ihre Entstehung und Entwicklung verfolgt.“ (Freud 1923, Psychoanalyse und Libidotheorie, GW XIII, S. 211).
Literatur
Freud Sigmund (1916-17): “Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse“ und dort insbe-sondere die 27. sowie die 28. Vorlesung über die Übertragung und die analytische Therapie. Studienausgabe Band I, Seite 415 – 445, GW B. XI, S. 447 – 483
Das Skript zur Veranstaltung ist im Mitgliederbereich einsehbar.

Brüggen, Wilhelm:
[EK1+PsGV] Allgemeine Krankheitslehre Freuds, (Teil I+II)

Freud entwickelte eine Vorstellung von der psychodynamischen Entstehung der Neurosen, die an einigen entscheidenden Punkten von den heute in den psychoanalytischen Lehrbüchern vertretenen Konzepten abweicht. Auch wenn man über die Aktualität seiner Konzeption inzwischen sicher unterschiedlicher Meinung sein kann, ist es für das Verständnis der heute im Mittelpunkt stehenden neoanalytischen und objektbeziehungstheoretischen Konzepte unverzichtbar, die ursprüngliche Auffassung zu kennen, von der sie sich kritisch absetzen. Während des ersten Termins möchte ich das Freudsche Grundmodell kurz vorstellen und Gelegenheit geben, an Hand dieses Modells die Freudsche Verwendung der wichtigsten metapsychologischen Begriffe im gemeinsamen Gespräch herauszuarbeiten. Im zweiten Teil werde ich dann auf einige wichtige Unterschiede zu den verschiedenen, heute gebräuchlichen psychoanalyti-schen Krankheitsmodellen näher eingehen.
Leider hat Freud seine Neurosentheorie nirgendwo abschließend zusammengefasst. Stattdessen gibt es viele verschiedene, über seine gesamte psychoanalytische Schaffensperiode verstreute Ausführungen. Folgende Texte sind dabei von besonderer Bedeutung: „Die Abwehr-Neuro-Psychosen“(1894), „Das Unbewusste“ (1915), „Übersicht der Übertragungsneurosen“ (1915, veröffentlicht 1985 von Grubrich-Simitis), „Realitätsverlust bei Neurose und Psychose“ (1924) sowie „Hemmung, Symptom und Angst“ (1926). Für eine erste Vorbereitung ist der Text „Das Unbewusste“ aus meiner Sicht am besten geeignet (vgl. Das Unbewusste, in: Studienausgabe Bd. III, S. 121-173 und in: GW, Bd. X, S. 264-303).
Das Skript zur Veranstaltung ist im Mitgliederbereich einsehbar.

Brüggen, Wilhelm:
[EK2] Französische Psychoanalyse: Die allgemeine Verführungstheorie Laplanches und was Lacan dazu sagen würde, (Teil I+II)

Die "Allgemeine Verführungstheorie" bildet den gegenwärtig theoretisch wohl anspruchsvollsten und angesichts neuerer entwicklungspsychologischer Befunde einzig noch konkurrenzfähigen Versuch, am Freudschen Konzept der infantilen Sexualentwicklung festzuhalten. Zugleich gibt sie einen guten Einblick in die Besonderheiten der französischen Psychoanalyse. In diesem Einführungsseminar sollen die Grundprämissen des Laplanche’schen Konzeptes einleitend rekapituliert werden, um dann anhand des Laplanche’schen "Übersetzungsmodells" und seines "Verführungsbegriffs" die klinisch-behandlungstechnischen Konsequenzen seiner "Allgemeinen Verführungstheorie" zu diskutieren.
Abschließend werde ich auf die Kritik eingehen, die Laplanche am Lacanschen "Konzept des Unbewussten" übte.
Literatur
Die meines Wissens erste deutschsprachige Veröffentlichung der Allgemeinen Verführungstheorie findet sich in dem Aufsatz: „Von der eingeschränkten zu der allgemeinen Verfüh-rungstheorie“ In: Laplanche, J. (1988): Die allgemeine Verführungstheorie und andere Auf-sätze. S. 199-233. Eine aktuellere, leichter lesbarere und auch komprimiertere Fassung enthält der Aufsatz „Die rätselhaften Botschaften des Anderen und ihre Konsequenzen für den Begriff des Unbewussten im Rahmen der allgemeinen Verführungstheorie“. In: Psyche, Okt. 2004, 58 Jg. Heft 9/10, S. 898-913. In Bezug auf die klinische Anwendung des Laplanche’schen Konzeptes bietet der Aufsatz von Thomas Eichhorn: „Die Relevanz metapsychologischer Überlegungen für die Praxis der Psychoanalyse“ eine gute Einführung. In: Bayer, L., Quindeau, I. (Hg): Die unbewusste Botschaft der Verführung. Interdisziplinäre Studien zur Verführungstheorie Jean Laplanches 2004. Psychosozialverlag Gießen. S. 31-57. Weitere Ausführungen zum Laplanche’schen Übersetzungsmodell und zu seinem Begriff der Verfüh-rung enthält der Aufsatz von Udo Hock: „Botschaft und Übersetzung“ (in: ebenda, S. 121-137). Das Skript zur Veranstaltung ist im Mitgliederbereich einsehbar.

Burkard, Matthias
[FK] Schwere Persönlichkeitsstörungen Teil 1: Diagnose, Teil 2: Therapie

Abstract folgt

Burkard, Matthias:
[EK2+PsGV] Diagnose und Therapie schwerer Persönlichkeitsstörungen, (Teil I+II)

Persönlichkeitsstörungen und speziell die Borderline-Persönlichkeitsstörung nehmen unter unseren Patienten immer mehr zu – vielleicht auch nur, weil sich unser diagnostischer Blick geschärft hat. In diesem Seminar sollen die Konflikte und strukturellen Besonderheiten bei Persönlichkeitsstörungen vermittelt werden. Es lohnt und führt zu einem besseren Verständnis, schwere Persönlichkeitsstörungen unter allen vier psychodynamischen Theorien (der Triebpsychologie, der Ich-Psychologie, der Objektbeziehungstheorie und der Selbstpsycholo-gie) zu verstehen. Im zweiten Teil sollen Überlegungen und besondere Schwierigkeiten in der Therapie behandelt werden.
Literatur:
Kernberg: Borderline-Störung und pathologischer Narzißmus, Suhrkamp 1978
Kernberg: Psychodynamische Therapie bei Borderline-Patienten, Huber 1992
Rudolf: Strukturbezogene Psychotherapie, Schattauer 2004
Lohmer: Borderline-Therapie, Schattauer 2005

Burkard; Matthias
[FK] Steiner: Orte des psychischen Rückzugs

Abstract folgt


C



Citron, Gertrud/ Heimerl, Bernd:
[FK] Literaturseminar Reihe: Neue Autor*innen
Rosine J. Perelberg: Murdered Father, Dead Father- Revisiting the Oedipus Complex (Routledge 2015)

Murdered Father, Dead Father: ein Wiederbesuch des Ödipuskomplexes! Perelberg fokussiert in ihrem Buch die paternale Funktion im Ödipuskomplex in der Freud`schen Konzeptualisierung und verbindet sie mit anthropologischen Konzepten. Sie unterscheidet zwischen dem prä-ödipalen (narzisstischen) Vater (murdered father) und dem ödipal kastrierten Vater (dead father: hier verweist sie auf das Konzept A. Greens der toten Mutter). Diese differenzierte Konzeptualisierung des Ödipuskomplexes hinsichtlich der Vaterfunktion erhält dadurch ver-schiedene psychoanalytische Verstehensweisen des Ödipalen und Prä-Ödipalen in den Behandlungen mit dem „abwesenden“ Vater. Perelberg ist Lehranalytikerin in der British Psychoanalytical Society und hat eine Professur an der Psychoanalysis Unit at University College London. Sie praktiziert in London.
„Culturally and intellectually, this book has a breadth of vision that must enrich any reader. The wealth of ideas is underpinned by vivid clinical examples and, most especially, by a meticulous reading of Freud.“ (Michael Parsons).
In diesem Literaturseminar möchten wir Ihnen zunächst die Autorin kurz vorstellen, um dann einen kleinen Überblick über ihre psychoanalytische Position zu geben. Im Zentrum wird das erste Kapitel zur Einführung stehen:
Part 1: Paternal function: Theoretical and clinical considerations
Murdered father, dead father: Revisiting the Oedipus Complex (S. 11-36)
Der Text ist leicht lesbar, angereichert mit Fallbeispielen und einem spannenden Verweis auf Darth Vader in Star Wars! Unverständliches kann im Literaturseminar gemeinsam erschlossen werden.
Wir bitten um verbindliche Anmeldung zum Seminar unter drbernd.heimerl@t-online.de Dieses Kapitel können Sie über Herrn Heimerl im Vorfeld als pdf erhalten!

Citron, Gertrud:
[EK1] Spezielle Neurosenlehre: Angst, (Teil I+II)

Angst ist ein wichtiges Sensorium, das vor Gefahren schützt und zu Gegenmaßnahmen veran-lasst. Ein Zuviel oder Zuwenig an Angst kann jedoch zu Störungen führen. In diesem Seminar geht es im ersten Teil um wesentliche theoretische Konzepte von und seit Freud. Im Anschluss sollen klinische Beispiele verschiedener Angstformen entlang der Ich-Entwicklung dargestellt werden.


D



Deter, Hans-Christian
[EK2+PsGV] Spezielle Psychosomatik -Herzkreislauferkrankungen in der Psychotherapie

Patienten, die eine Psychotherapie wünschen, haben unter Umständen körperliche Erkran-kungen, die bei einer Diagnose-und Indikationsstellung und für eine sich anschließende Psy-chotherapie berücksichtigt werden sollten.
Psychosomatische Verursachung funktioneller Herzbeschwerden, der essentiellen Hypertonie und der Koronaren Herzerkrankung werden besprochen und die Bedeutung dieser Erkran-kungen bei einer tiefenpsychologischen oder psychoanalytischen Psychotherapie diskutiert.

Dietrich, Barbara:
Seminar im Entspannungsverfahren
[EV] Autogenes Training I/IV (10:00h-17:00h)

(vor allem für ärztliche Weiterbildungskandidaten)
Das Autogene Training nach J.H. Schultz ist ein leicht erlernbares Entspannungsverfahren. Es basiert auf sechs Grundübungen, die stufenweise, in festgelegter Reihenfolge durchgeführt werden.
Angesprochen wird die vegetative Ebene, dadurch können unwillkürliche Körperfunktionen mithilfe gezielter Konzentration selbst beeinflusst werden. Körperliche und demzufolge auch psychische Spannungszustände verändern sich hinsichtlich eines Ruheerlebnisses.
Ziel der Methode ist eine durch gedankliche Vorstellungen herbeigeführte Tiefenentspannung des gesamten Organismus.
Der Kurs orientiert sich am praktischen Ablauf eines selbst geleiteten Autogenen Trainings, sowie an eigenen Erfahrungen mit dem Verfahren. Zudem werden die Methode, Grundlagen und Techniken zur Vermittlung dargestellt.
Inhaltlich werden die Grundlagen des Verfahrens, als auch die Methode zur Weitervermittlung dargestellt. Zudem orientiert sich der Kurs an vielen praktischen Übungen, sowie den Gesprächen hinsichtlich eigener Empfindungen und Wahrnehmung des Erlebten. Die Eigen-erfahrung und das Erlernen des Verfahrend bilden die Grundlage zur Weitervermittlung des AT in der Praxis.
Voraussetzung zur Teilnahme ist eine Anmeldung unter: info@kbt-dietrich.de
Literaturangaben:
Hoffmann, B.: Handbuch des Autogenen Trainings, 19. Auflage, dtv, München 2012
Schultz, J.H.: Das Autogene Training, (konzentrative Selbstentspannung), Versuch einer kli-nisch-praktischen Darstellung. 20. Auflage; Thieme, Stuttgart 2003
Thomas; K.: Praxis des Autogenen Trainings, Neuauflage, TRIAS, Stuttgart 2006
Artikel zur Person J.H. Schultz
http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Heinrich_Schultz
Literatur: Eberhard J. Wormer: Schultz, Johannes. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 700 f. (Digitalisat).
http://www.lptw.de/archiv-vortrag2010.php
Dr. Philipp Mettauer, Wien "Vergessen und Erinnern" Die Geschichte der Tagung nach Quellen und Zeitzeugen (pdf) Johannes Heinrich Schultz

E



Englisch, Monika
[FK] Hysterie – Klassische und neuere Ansätze, (Teil I+II)

Es ist unbestritten, dass die klassischen Symptombilder der Hysterie heute selten geworden sind. Es scheint aber möglich, dass durch eine veränderte ‚subtilere’ Form der Symptome, die dem heutigen Lebensstil mehr entspricht, die hysterische Symptomatik ihre neurotische Quelle besser verbirgt. Die hysterischen Symptome aus den drei Bereichen 1. der körperlichen Funk-tionsstörungen, 2. der psychischen Funktionsstörungen, und 3. der hysterischen Charakterbildung, haben gemeinsam, dass es sich dabei jeweils um szenische Darstellungen unbewusster Inhalte handelt. Ödipuskomplex und Hysterie sind klassische Forschungsobjekte der Psy-choanalyse. An der Hysterie wurde die Methode der Psychoanalyse entdeckt, erprobt und ausgebaut, an ihr und dem Ödipuskomplex entstanden die Grundzüge der psychoanalytischen Theorie. Dabei ist gerade die Konversionsneurose das klinische Bild, an dem Freud ätiologische und pathogenetische Hauptmerkmale für die Psychoanalyse gewonnen hat. Im ersten Teil des Seminars soll Freuds und Breuers klassische Theorie der Hysterie vorgestellt und in ihrer Bedeutung für die psychoanalytische Theoriebildung nachvollzogen werden. Im zweiten Teil des Seminars werden im Anschluss an die Kontroversen um die Hysterie in den siebziger Jahren die aktuellen Ansätze von Christopher Bollas und Ute Rupprecht-Schampera vorge-stellt. Am Ansatz von Rupprecht-Schampera wird ausgehend von der ödipalen Dynamik der weibliche und männliche Grundkonflikt der Hysterie in seiner jeweiligen geschlechtsspezifi-schen Ausprägung referiert und anhand einer Fallvignette zur Diskussion gestellt.

Englisch, Monika:
[EK2+PsGV] Die Kunst des Anfangs: Einblicke in erste psychoanalytische Begegnungen.

In ihrer bekannten Arbeit über ‚Die Kunst des Anfangs’ lässt uns Anita Eckstaedt einen Blick in ihr Behandlungszimmer nehmen. Sie zeigt anhand von ersten psychoanalytischen Begegnungen wie erste Übertragungsangebote entstehen, wie sie die Empfindungen und Gedanken des Behandlers beeinflussen und wie der unbewusste Gehalt von symbolischen Interaktionen ganz am Anfang von Behandlungen entschlüsselt werden kann. Im Seminar sollen ausgewählte Beispiele referiert werden, um zu zeigen wie durch den Prozess eines Gesprächs und seine anschließende Reflexion „erstaunliche Begegnungen immer mehr Sinn gewinnen.“ Nur wenn Behandler – wie auch die Teilnehmer des Seminars – sich dafür öffnen können, werden sie das Konflikthafte in dieser verdichteten Situation zunächst begreifen und dann analysieren können.
Literatur
Eckstaedt, Anita (1995): Die Kunst des Anfangs. Psychoanalytische Erstgespräche. Frankfurt, M.
Eckstaedt, Anita (1991): Wie Patienten erzählen – psychoanalytische Dialogstrukturen. In: Freiburger Literaturpsychologische Gespräche, Bd. 11, hrsg. Von Johannes Cremerius
Argelander, Hermann (1967): Das Erstinterview in der Psychotherapie. Psyche, 21, 341-368

Erhard, Carola:
[EK1] Freud – Topik, Teil I

In seiner ersten topischen Konzeption des psychischen Apparates unterscheidet Freud die Systeme Bewusst, Vorbewusst und Unbewusst. Die zugrunde liegenden Annahmen und Funktionsweisen dieser Systeme werden vorgestellt, gemeinsam mit den damit verbundenen Me-chanismen der Verdrängung und Abwehr.
Literatur
Freud, S. (1900): Die Traumdeutung, VII. Kapitel, S 513/541 – 626
Freud, S. (1914): Zur Einführung des Narzissmus, GW X, S.138 - 170
Freud, S. (1913): Das Unbewusste, GW X, S.264 – 303
Freud, S.: Vorlesungen zur Einführung in die PA, GW XI, S.305
Freud, S. (1923): Das Ich und das Es, GW XIII, S. 246-267
Freud, S.: Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die PA, GW XV, S. 85.

Erhard, Carola:
[EK1] Freud – Topik, Teil II

Zum besseren Verständnis der Entstehung psychischer Störungen und unbewusster Abwehr-mechanismen führte Freud das Strukturmodell (Es, Ich und Über-Ich) des psychischen Apparates ein, das hier zusammen mit den dynamischen und ökonomischen Gesichtspunkten des Modells erläutert und diskutiert werden soll.

Eschmann, Rüdiger
[FK] Das Mentalisierungskonzept Fonagys, (Teil I+II)

Mit der „Mentalisierung“, der „Fähigkeit, sich mentale Zustände im eigenen Selbst und in anderen Menschen vorzustellen“, hat die Autorengruppe um Peter Fonagy ein zentrales Konzept gefunden, um die Dynamik von Affektregulierung, Selbstorganisation und Beziehungs-verhalten zu verstehen. Entstanden ist diese Theorie aus der kritischen Gesamtschau der neueren bindungstheoretischen, entwicklungspsychologischen und neurobiologischen Befunde durch klinisch erfahrene Psychoanalytiker, so dass sie einen hohen Erklärungswert hat für bestimmte psychische Störungen und ihre Behandlung. Besonders für Borderline–Patienten wurde eine inzwischen validierte, tiefenpsychologische Methode entwickelt, durch Verbesse-rung der „mentalisierten Affektivität“ die Lebensqualität zu verbessern.
Literatur
Fonagy/Gergely/Jurist/Target: Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst.

Eschmann, Rüdiger:
[EK1] Einführung in die kulturtheoretischen Schriften Freuds

Mit der Entdeckung des Unbewussten hatte Freud die Möglichkeit, neue Hypothesen aufzu-stellen über Kultur, Religion, Gesellschaft und Politik. Einige dieser Ideen werden am Beispiel von Freuds „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ (1921) vorgestellt. Sowohl deren historische Bedingtheit als auch ihre aktuelle Anwendbarkeit auf Phänomene wie Populismus und Terrorismus werden diskutiert.

Eschmann, Rüdiger:
[EK1] Was ist klassische Analyse?

Das Liegen, 3 oder 4mal die Woche, das Schweigen, die Zurückhaltung, das Ausfallshonorar? Oder ein bestimmtes Menschenbild, die Triebpsychologie? Oder eine Referenzliteratur, die Schriften von Freud? Alles irgendwie schon, aber doch nicht immer ganz Konsens unter „klassischen“ Psychoanalytikern, nie ganz spezifisch gegenüber anderen Verfahren. Es soll dann auch um Merkmale gehen, die impliziter Konsens sind und spezifisch von anderen Rich-tungen unterscheiden.


F



Fink, Annette
[FK] Strukturbezogene PT nach Rudolf

Zunächst werden wir uns mit den Hintergründen beschäftigen, die der Entwicklung der strukturbezogenen Psychotherapie zugrunde liegen, dann wesentliche Merkmale der Strukturdiagnostik (nach OPD) und der strukturbezogenen Psychotherapie nach Rudolf kennenlernen, in Abgrenzung vom klassischen analytischen Setting und von anderen Verfahren zur Behandlung struktureller Störungen (z.B. der übertragungsfokussierten Therapie nach Kernberg), und schließlich Anwendungsmöglichkeiten im Rahmen einer analytischen oder tiefenpsychologi-schen Behandlung diskutieren.
Literatur
Rudolf, G (2006): Strukturbezogene Psychotherapie. Leitfaden zur psychodynamischen The-rapie struktureller Störungen
Arbeitskreis OPD (2006): Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik OPD-2. Das Manual für Diagnostik und Therapieplanung.



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